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-sr*^25> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN
boren, machte der Künstler seine ersten Studien an
der Zeichnungsschule zu Budapest, seine eigentliche
künstlerische Ausbildung aber empfing er
hier in München, wo er an der Akademie Schüler
von Wilhelm Diez war. Lange Studienreisen führten
Eisenhut in die Ferne, hauptsächlich nach dem Osten
(Kaukasus, Türkei, Aegypten), aber auch nach Italien,
Frankreich und Nordafrika. Auf diesen Reisen fand
er die Motive, die seiner individuellen und
national bedingten Begabung, der Richtung aufs
Farbenprächtige, dramatisch Bewegte entsprachen,
und die er dann in einer stattlichen Reihe wirkungsvoller
und technisch oft virtuos ausgeführter
Gemälde gestaltete. Von den so entstandenen
Bildern aus dem Leben und der Geschichte des
Orients seien genannt »Heilung durch den Koran«,
>Der Tod Gül Babas« (reprod. >K. f. A.«, VII. Jahrgang
, S. 136), »Gaukler« (ebenda S. 137), »Geldwechsler
in Tiflis«, »Märchenerzäblerin«, »Kriegsbeute
« (IV. Jahrg. S. 343), »In Ungnade«( V. Jahrg.
S. 4), »Tartarenschule in Baku" u. a. m. Alles das
Werke, die durch Photographie und Holzschnitt-
Reproduktionen weit und breit bekannt geworden
sind. Der Künstler gehörte der Münchener Luitpoldgruppe
an.
DERLIN. Der Bildhauer Prof. Alexander Ca-
landrelli ist am 26. Mai gestorben. Am
9. Mai 1834 hierselbst geboren, war der jetzt Ver-
ALEXANDER CALANDRELLI
(f 26. Mai)
ewigte 1847-1852Schü-
ler der Berliner Akademie
, dann der Bildhauer
Dankberg, Dra-
ke und Fischer. Anfänglich
der Kleinkunst
zugewandt, widmete
sich Calandrelli später
größeren monumentalen
Werken, zu denen
ihm Staatsaufträge vielfach
Gelegenheit gaben
. Von seinen Schöpfungen
seien als die
bedeutendsten genannt:
das Bronzerelief an der
Ostseite des Sockels
der Siegessäule, das
eherne Reiterstandbild
König Friedrich Wilhelms
IV. auf der Freitreppe
der Nationalgalerie, für die er auch den
»Kunstgedanken« auf der Treppenwange und vier
Musen im Kuppelsaal schuf, die Cornelius-Statue
in der Vorhalle des alten Museums, das Standbild
des Kurfürsten Friedrich I. in Friesack, die Kolossalstatue
Kaiser Wilhelms I. im Teltower Kreishause
und ein Reiterdenkmal Kaiser Wilhelms I. in Bromberg
. Der gemäßigte Klassizismus, dem Calandrelli
in seiner künstlerischen Auffassung huldigte
, eignete sich trefflich für die Erfüllung
der Aufgaben, zu denen der Künstler
berufen ward. — Die Bildwerke, welche
zur Ausschmückung des Großen
Sterns im Tiergarten bestimmt sind
und deren Kosten die Große Berliner
Straßenbahn übernommen hat, sollten
ursprünglich in Marmor ausgeführt
werden. Man glaubte auf 45000 bis
50 000 M. rechnen zu können. Da
aber nur 30000 M. bereitgestellt werden
sollen, ist jetzt Bronze gewählt worden,
außerdem kommen die Bildwerke in
etwas verkleinertem Maßstabe
Ausführung.
zur
BERNHARD BUTTERSACK HOCHSOMMER
Sommer-Ausstellung der Münchener Secession
pvRESDEN. Der in der letzten Mai-
*-* woche hier abgehaltene Delegiertentag
der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft
protestierte gegen das
Vorgehen des Reichskommissars bezüglich
der Vertretung der deutschen Kunst
auf der Weltausstellung in St. Louis
und beschloß, dem Reichskanzler durch
eine Deputation ein Schreiben zu überreichen
, in welchem die Berechtigung
der Ansprüche der Genossenschaft dargelegt
wird. Der Vorstand wurde des
weiteren ermächtigt, der Genossenschaft
die Eigenschaft als juristische Person
zu erwerben.
/"GESTORBEN: In Oberlößnitz bei
Dresden am 14. Mai der Tiermaler
Robert Erbe; in Gießen der
Genremaler Otto Fritz; in Bonn am
18. Mai der Historienmaler J. Straub
aus Düsseldorf, vierundfünfzig Jahre
alt; in Lüneburg der Bildhauer A. W.
MüLLer; der dänische Karikaturenzeichner
Johannes Holbeck, dreißig
Jahre alt; in München am 17. Mai der
Maler Julius Kienlin.
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