Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 459
(PDF, 173 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0511
-sr-sö> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^£^

VON AUSSTELLUNGEN

UND SAMMLUNGEN

BERLIN. Bei Paul Cassirer stellt ein englischer
New Art Club aus, dessen Mitglieder
zwar meist guten Traditionen folgen — den älteren
englischen Porträtmalern und den Schotten —, sich
aber in der Hauptsache durch Unpersönlichkeit auszeichnen
, allen voran William Rothenstein, der
sein in der letzten Dresdener Ausstellung so lebhaft
bewundertes »Porträt« eines blondbärtigen, jungen
Mannes in breitkragigem Biedermeierrock hergab
und dazu ein genrehaft aufgefaßtes Bildnis einer
blonden jungen Frau in Schwarz mit verweinten
Augen auf einem spinatgrünen Sofa abscheulich verzeichnet
und in den Farben leer und unharmonisch.
Auch William Orpen's Porträt einer Dame,
deren Federhut den oberen Teil des Gesichtes beschattet
, ist wesentlich trivialer und härter als die
Arbeiten, die der Maler vor einiger Zeit im Künstlerhause
sehen ließ. Durch schönen Ton und feine
Farbenstimmungen wirken David Muirhead mit
dem Bilde einer Dame in Braun in einem dämmerigen
Interieur »Night Shadow« und Walter H. Rüssel,
der ein auf einem gelben Sofa bequem liegendes
und ihre Näharbeit verrichtendes junges Mädchen
im schwarzen Kleid und heller Bluse ausstellt.
Hugh-Carter malt in der Art von Josef Israels
Kühe auf der Weide und müde Arbeiterkinder,
Roger C. Foy einen »St. Georg mit dem Drachen«
in einer Auffassung, die an Chasseriau erinnert, im
Farbenstil der Schotten, Bellingham-Smith einen
»Sommertag" in Anlehnung an französische Impressionisten
. Französisch muten auch A. F. R.
Thornton's Landschaften an, und ebensowenig sind
die von James L. Harbour, von William Kneen

und Moffat-Lindner originell. Alle diese englischen
Bilder zusammen kommen als Kunstwerke
nicht an gegen einen weiblichen Halbakt von
Gustave Courbet, ein saftig-breites Stück Malerei
von starkem sinnlichem Ausdruck. Man meint die
volle runde Brust, die das lächelnde Weib mit der
Rechten umspannt, greifen zu können. Und dann
sieht man hier Fantin-Latours berühmtes Porträt
von Edouard Manet, der im schwarzen Rock und
grauer Hose, den Zylinder auf dem Kopf, mit
beiden Händen den Spazierstock wagrecht vor sich
haltend, vor dem Beschauer steht und ihn mit seinen
guten Augen ernst ansieht. Eine blaue Krawatte
gibt im Schwarz und Grau des Bildes die koloristische
Pointe. Es gehört ohne Frage zu den feinsten Bildnissen
, die Fantin gemalt. — Der Salon Schulte
bringt interessante Kollektivausstellungen einiger
Pariser Maler, die — bezeichnenderweise — selbst
nach Berlin gekommen sind, um ihre Ausstellungen
zu arrangieren und deren Wirkung auf das deutsche
Publikum zu beobachten. Jacques-Emil Blanche
ist durch seine vorzüglichen Porträts längst in
Deutschland bekannt. Er versucht jetzt einen
Ueberblick über seine Entwicklung zu geben, die
von einer ziemlich unkultivierten Freilichtmalerei
über Manet und Whistler zu den klassischen englischen
Porträtisten gegangen ist. Man sieht hier das
»Mädchen auf dem Ponny« von 1889, eine ziemlich
rohe Malerei mit einer blechern harten Landschaft.
Ein Jahr später aber produziert der Künstler bereits
ein vorzügliches Bildnis seiner Mutter. Die alte würdige
Dame sitzt in einem schwarzen Kleide, einen groben
gelben Strohhut auf dem Kopf, mit gelben Stoffhandschuhen
und weißem Sonnenschirm im grünen
Garten vor einem rotblühenden Strauch. Es ist
genau dieselbe Farbenzusammenstellung, die man
aus Manets ähnlichen Freilichtbildnissen kennt.
Manet hat George Moore gemalt, also muß dieser

459

58*


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0511