Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 460
(PDF, 173 MB)
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-m-^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=*~

hans borchardt

Sommer-Ausstellung der Münchener Secession

die blumenmalerin

ebenfalls Blanche sitzen. Und um sich in dieser
lichten, mit wenigen und zarten Gegensätzen
operierenden Malerei zu vervollkommnen, porträtiert
der Künstler noch den blonden Anstreicher Henri
und Mr. Harry Melvil. Aber diese geistreich
skizzierende Art ist nur bei Kennern beliebt. Das
Publikum verlangt ausgeführte Bilder. Blanche
bewahrt sich den großen Strich und wird elegant.
Die Freilichtdarstellungen gibt er ganz auf und sucht
die Tonigkeit Reynoldscher Porträts. Das Porträt
seiner Frau ist ein Glanzstück dieser Periode. Er
setzt sie vor einen ganz dunkelgestimmten grünlichen
Landschaftshintergrund. Ein graues Plaid über den
Schultern leitet von dem hellbeleuchteten klugen
Kopf zu dem dunklen Kostüm über. Trotz der
Anlehnung eine ausgesprochen französisch geistreiche
, pikante Malerei. Die letzten Arbeiten des
Künstlers zeigen das Bestreben, möglichst dünn
und flüssig zu malen. Der Akkord von Grün und
Blau wird sehr bevorzugt. Das Temperament des
Vortrags läßt nach. Die Charakteristik erscheint
oberflächlicher und eine gewisse Süßlichkeit stellt
sich ein. Ein Porträt Zuloagas gibt sehr wenig
von der Persönlichkeit des Spaniers und ist voller
Pose. Das Bildnis eines Fräulein Kimbel ist auf
den flachsten Publikumsgeschmack zugeschnitten.
Auch die zu oft gemalten Fischstilleben haben
schließlich nur noch sehr oberflächliche künstlerische
Qualitäten, und man ist fast überrascht, daß Blanche
in der »Louise von Montmartre«, dem in diesem
Jahre entstandenen Bildnis einer dunkelblonden
munteren jungen Dame, noch einmal eine Leistung
hervorbringt, die etwas von der Rassigkeit seiner
früheren Schöpfungen hat, allerdings ohne diese zu

erreichen. Auch die Kollektion von Charles Cottet
hinterläßt keinen besonders befriedigenden Eindruck.
Die Arbeiten dieses Malers wirken zwar immer
eigenartig und sind es auch ohne Frage; aber sie
werden nach einem Schema gemacht, und von
wirklicher Beobachtung ist wenig mehr zu spüren.
Nur die Motive, die der Künstler seit vielen Jahren
ausschließlich der Bretagne und dem Leben ihrer
Bewohner entnimmt, wechseln noch. Die Betonung
des Konturs gibt Cottets Bildern eine gewisse
Größe, und die dunkel gestimmten Farben verleihen
ihnen eine ernste Schönheit des Tons; aber damit
sind die Vorzüge der in dieser Ausstellung befindlichen
Arbeiten fast erschöpfend charakterisiert.
Auf Details darf man kaum gehen. Hier und da
ist ein Stück Landschaft in der Tat gesehen und
mit Empfindung und großer Kunst wiedergegeben;
aber was Cottet von Menschen und Tieren zu sagen
hat, ist meist sehr oberflächlich und fesselt nur
durch die Fremdartigkeit des Stoffes. Von seinen
berühmteren Bildern sieht man hier nur eins: »Den
alten Gaul«, an dem eigentlich allein die prachtvolle
Meereslandschaft hinter dem Tiere zu bewundern
ist. Eine Skizze erinnert an Cottets Bild im Luxem-
bourg-Museum »Rayons du soir< mit den heimkehrenden
Fischerbooten, eine andere an ein Seitenbild
seines mit Recht so hochgeschätzten Triptychons
»Repas d'adieu«. Bezeichnend für seine Art sind
noch etwa eine »Bretonische Kneipe« und dann ein
»Totes Kind«, das in seinem mit bunten Blumen
reichlich besteckten Kleidchen starr und steif von
der Mutter, die es im Schoß hält, irgend welchen
Beschauern gezeigt wird. Im übrigen hat sich der
Künstler darauf beschränkt, das Typische der

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