http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0522
~^5> MÜNCHENER SECESSION -C^Ms-
äußersten Gegensatz dazu in dem überkultivierten
Raffinement der Pariser Porträtisten,
als deren echtesten Vertreter Einer der, so
viel bekannt, hier zum ersten Male in Deutschland
ausstellende Delvaille angesehen werden
darf. Zwei lebensgroße Porträtstücke bringt er:
die viel besprochene „Manicure" (Abb.s. S.478)
und eine Dame in Weiß mit Hortensien. Man
mag bei dem erstgenannten Stück über die
Wahl des Gegenstands geteilter Meinung sein,
jedenfalls gab die allzu intime Scene dem
Künstler Gelegenheit, seiner offenbar besonderen
, sich in einer malerisch wie zeichnerisch
gleich exquisiten Behandlung verratenden
Vorliebe für die gepflegte Frauenhand Ausdruck
zu geben. Als Maler - er ist offenbar
der geborene Damen-Maler — exzelliert
er im Kostüm und namentlich auch in
der salopp-geistreichen Behandlung kleiner
nebensächlicher Details im übrigen Arrangement
. So gewährt bei dem Damenbildnis
das weiße Kaschmirkleid mit seinem leichten
Ueberfall von schwarzem Tüll in seiner
wundervoll weichen Geschmeidigkeit, ebensosehr
wie der zierliche, goldbeschlagene
Rokoko-Toilettentisch mit dem Hortensien-
I.EO SAMBERGER BILDNIS DES MALERS LANDENBERGER
Sommer-Ausstellung der Münchener Secession
Strauß einen eigentümlich stofflich-sinnlichen
Reiz; es geht ein undefinierbares Parfüm von
diesen Sachen aus. Sachlich bis zur Trockenheit
ist dagegen die ebenfalls aus Paris gesandte
„Schauspielerin" von Sickert (Abb. s. S. 480).
Man möchte den Maler, seinem radikalen
Naturalismus nach, der ihn auch vor einer Geschmacklosigkeit
nicht zurückschrecken läßt,
für einen Russen halten. Was dem, bei
seiner anspruchsvollen Flächenausdehnung,
besonders leer wirkenden Bilde im übrigen
eine gewisse Anziehungskraft verleiht, ist
das ausgesprochene Stilgefühl, mit dem hier
das altmodische Kostüm und der Großvaterhausrat
der vierziger Jahre wiedergegeben ist.
Inechtem,elegantem undmodernem Pariserisch
schildert dagegen Gaston la Touche den
Glanz eines Maskenfestes in der Großen Oper
(Abb. s. S. 485), eine wundervolle Impression
von Licht und Farbe, in der das Figürliche
und alles Gegenständliche sich in Fluß und
Bewegung auflöst. Das feinste französische
Bild rührt indes auch diesmal wieder von
Besnard her, eine Seebadscene: eine frische
Blondine in halber Figur - - eilt mit lässig
umgeschlagenem Bademantel, ganz rot vom
kalten Wasser und der Brise, die
das Meer im Hintergrund bewegt,
der Kabine zu. Der nackte Körper
in der kühlen Morgenstimmung ist
ebenso delikat gemalt, wie der landschaftliche
Hintergrund mit Düne und
Meer saftig und flott hingesetzt ist.
Ueber den Gegensatz, der freilich
in der Behandlung besteht, sieht man
leicht hinweg.
Trotz seiner zurückhaltenden, sauberen
Dezenz in der Farbe wirkt
R. Prinet, der vorzügliche Gesellschaftsmaler
, in seiner reizenden
„Partie Tric-Trac" (Abb. s. S. 487) ungemein
anschaulich, während der in
Petersburg lebende, aber offenbar in
Paris gebildete Leon Bakst mit einem
ebenfalls vorwiegend schwarz-weißen
Genre ein mondaines Dämchen
beim Souper (Abb. s. S. 483) - auf
witzige Pikanterien abzielt.
Nächst der französischen ist, wie
immer auf der „Secession", die
schottische und englische Malerei am
zahlreichsten und wertvollsten vertreten
. Sie sind uns lieb und wert
geworden wie gute alte Bekannte, die
noblen Abendstimmungen Priest-
man's, Withers' locker wie ein
Knüpfteppich gemalte, in feinen Moosfarben
gehaltene Landschaftsstücke,
470
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0522