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-~i&> MÜNCHENER SECESSION <&2~*.
die virtuosen schottischen Hügel, Dünen und
Fischerdörfer von Dekkert, wie auch Mor-
ton's zarte Gobelinmalereien (s. S. 484).
Cameron ist diesmal mit einem stärker als
seine sonstigen Sachen in die Farbe gehenden
Abend über der schottischen Hügellandschaft
mit wundersam transparentem Himmel vertreten
, nur Paterson vermißt man. Ein
fein verschleiertes Stimmungsbildchen, wie
Constable sie schon gemalt, liefert endlich
Bruckman in einer Idylle mit Schäferin und
Herde. Die Ausgereiftheit des Stils, die Ausgeglichenheit
und Sicherheit des Geschmacks
zwingt diesen Sachen gegenüber stets zur
Hochachtung, ein gewisses Gefühl der Befriedigung
jedoch, daß wir in Deutschland
noch nicht so unendlich fertig sind, wird man
angesichts dieser zwar tadellosen, aber entwicklungsunfähigen
Leistungen dieser aristokratischen
Schule nicht zu unterdrücken
brauchen. Etwas Aehnliches empfindet man
auch vor dem wie immer distingierten, aber
doch ein wenig gar zu sehr an der Oberfläche
haftenden Maler des high-life Austen
Brown, wiewohl man dem Bildnis eines
Knaben im Hochländer-Kostüm sympathische
Auffassung nicht absprechen kann. Wie viel
mehr gibt indes das nicht weniger elegante
Porträt eines Sportsman im Reitanzug in
ganzer Lebensgröße, das Harrington Mann
bringt. Das ist frisches Reiterleben, unangekränkelt
von der Blässe aristokratischer
Allüren, aber deshalb nicht weniger vornehm
und ein Meisterstück sicherer, freier, auf
den realen Eindruck gerichteter Malerei obendrein
. Etwas matt bleibt diesmal Alexander
Roche mit dem ansprechenden Profilbildnis
einer süßen kleinen Engländerin (Abb. s.S. 488),
während Newbery mit seiner „Stickerin"
wenigstens im Kostüm ein Stück lebendiger Oel-
malerei liefert. Lavery bringt in angenehmer
hellgrauer Malerei einen halbbelichteten Rük-
kenakt eines schönen weiblichen Modells auf
dem neutralen, aber sehr reich detaillierten
Hintergrund eines Boudoirs (Abb. s. S. 482),
wird jedoch in diesem Genre von Douglas
Robinson übertroffen, der mit zwei wundervoll
tonigen, dabei aber sehr eingehend modellierten
Mädchenakten — einmal ist die Schöne
auf olivgrünem und rosinfarbigem Teppichlager
hingestreckt, dann sitzend, vom weißen Bademantel
kaum verhüllt - außerordentlich gediegene
Arbeiten geliefert hat. In einem ausdrucksvollen
Frauenporträt dagegen gerät Robinson
ein wenig ins Trübe, wie auch C. H.
Shannon mit seinem diesjährigen Bildnis eines
älteren vornehmen Herrn in gelbbrauner Tonmalerei
stecken geblieben ist. George Henry
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