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-^Ssö> MÜNCHENER SECESSION <^-s-
verleiht seinen etwas trockenen Frauenbildnissen
durch nette Zutaten - - sei es ein Goldfischglas
oder eine bunte japanische Porzellanfigur
— eine lustige Pointe, die ihm auch
malerisch immer brillant glückt. In einem
ganzen Stilleben von Nippes, wobei die Figur
einer jungen Dame eigentlich nur Staffage
bildet, erweist auch der in München lebende
Amerikaner Ullman eine besondere Begabung
für diesen Gegenstand.
Schweden ist durch Fjaestad, der, wie
kaum ein Zweiter, die flimmernde Luft der
nordischen Winternacht malt, bemerkenswert
vertreten; Rußland durch den Schilderer der
Krim, C. Bogaiewsky, der einmal in einer
abendlich glühenden Landschaft (Abb. s. S.479)
eine neuartige Romantik offenbart, dann aber
in einer kühl grau-grün gehaltenen Strandlandschaft
- „Festung am Meer" — einen originell
gesehenen Naturausschnitt von sehr
spezifischem landschaftlichem Charakter gibt.
Als starke, in ihrer Naturwahrheit imponierende
Leistung ist schließlich noch die Tauwetterstimmung
im Föhrenwald (Abb. s. S. 474) von
dem Polen Filipkiewicz mit Achtung zu
nennen.
Nochmals muß man auch hier das völlige
Ausbleiben der ausländischen Plastik bedauern
. Immerhin interessiert es, die Kollektion
des rasch in Mode
gekommenen Pariser Medailleurs
und Kleinplaslikers
O. Yencesse zu sehen. Die
alte Tendenz der französischen
Medaille auf malerisch
bildartige Wirkungen steigert
dieser Künstler in äußerster
Konsequenz zum Nebulismus
im Sinne etwa eines Carriere.
Wie man über die Stilfrage
denken mag: künstlerisch
stehen die Sachen weit über
dem, was man an charakterlos
verblasener Dutzendware
jetzt unter dem Namen berühmter
Pariser Medaillenkünstler
in Deutschland zu
kaufen bekommt. Die Kollektion
hätte sich übrigens
auch noch um einige andere
interessante moderne Künstler
wie Peter, Charpentier
u. a. vermehren lassen.
G. Habich
GEDANKEN ÜBER KUNST
Von W. Steinhausen
Aus einem Vortrag »Was ist deutsche Kunst?«
Jede Kunst ist ein Erinnern!
Gibt uns die Musik mit der Empfindung den
Gegenstand zurück, so die Malerei mit dem Gegen-
stand die Empfindung vergangener Stunden. Was
wir sahen, das liebten wir, darum suchten wir, es
festzuhalten und es der enteilenden Zeit zu entreißen.
Nun lebt es uns im Bilde weiter und zaubert uns
die Empfindung des ersten Wahrnehmens, die Ueber-
raschung von etwas neu Entdecktem zurück.
Und noch etwas steht groß vor der Seele des
Künstlers: Nichts kannst du verbergen, deine Sache
wird in deinem Bilde, deinem Werke verhandelt;
darum aber, um dich selbst geben zu können, ohne
einer Anklage gewärtig zu sein, mußt du selbst
dich rein fühlen, deiner Verantwortung bewußt. Denn
jeder Künstler ist entweder ein Wohltäter oder ein
Verführer des Volkes.
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Nun ist vielfach bei uns durch den kunstgewerblichen
Einfluß die dekorative Wirkung des Bildes
zum ausschlaggebenden Faktor gemacht worden.
Dieses Element ist freilich das, was den Beschauer
zuerst in Beschlag nimmt, ihn zuerst fesselt — aber
auch am schnellsten wieder losläßt; und ich meine,
es liegt dem deutschen Empfinden am fernsten. Wir
wollen mit unsrem ganzen Menschen, auch wenn
wir schauen, beteiligt sein — und wir merken bald,
wo wir zu kurz gekommen sind!
KARL HAIDER
GEBIRGSLANDSCHAFT
Sommer - Ausstellung der Münchener Secession
Die Kunst fllr Alle XVlll.
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