Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 487
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VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <2£^-

haben soll. Und diesen Standpunkt nimmtleiderauch
die Kunstvereinsleitung ein. Wenn sie das Bestreben
hat, dadurch auf billige Weise recht viele Verlosungsobjekte
zu erlangen, so muß man sagen, daß damit
weder dem Gewinnenden, noch dem Künstler, noch
der Kunst gedient sei; denn gute Kunst wird auf
diese Weise doch nicht verbreitet. Und das soll
doch der Hauptzweck des Kunstvereins sein. Aber
der Kunsthandel wird dadurch demoralisiert. Der
Künstler ist gezwungen, sich auf einen seiner unwürdigen
Standpunkt zu stellen, der Käufer muß
in dem Künstler etwas sehen, was seinem und der
Kunst Ansehen nicht nützen kann. Das sind die
Erfolge der Prager Ausstellungen und wenn nicht
in letzter Stunde die moderne Galerie, die Gesellschaft
zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst
und Literatur, sowie der Kunstverein als Veranstalter
kaufend eingegriffen hätten, so wäre das Endresultat
ein klägliches gewesen. Möge die neueröffnete
, dem Andenken eines tüchtigen Künstlers,
der für die moderne tschechische Kunst gewissermaßen
als Ausgangspunkt angesehen werden könnte,
gewidmete Ausstellung einen besseren Verlauf
nehmen. k. k.

p\ÜSSELDORF. Ausstellungen von Kunstvereinen
erfreuen sich im allgemeinen keines besonders
guten Rufes. Aber von der diesjährigen Ausstellung
des 2»Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen
«, darf man sagen, daß sie eine ungewöhnlich
gute ist. Man fühlt die Handhabung einer strengeren
Jury und das Walten geschickter Hände in der
Hänge-Kommission. Es fehlen fast ganz die sogenannten
Publikumsbilder, die gemalten Humoresken
und die Sofabilder. Vergebens sucht man jene Bil-

der,auf denen
alles darauf
ist: der Buchenwald
,
Eichkätzchen,
Sonnendurchblicke
, blaue
Berge in der
Ferne, ein
Wässerlein
und ein Rehlein
im Vordergrund
. Dafür
aber finden
wir feste,
frische Griffe
aus der ewig
neuen, ewig
jungen Natur.
Nur der hervorragend
sten
Erscheinungen
können
wir Erwähnung
tun.
Bergmann
überrascht
wieder mitei-
ner tief-poetisch
empfun-
denen»Mond-
hellen Sommernacht
«,
der ein ungewöhnlicher
Zauber der
Farbe und
Stimmung

alfr. agache das gesetz

Münchener Secession

r. x. prinet tric-trac-spieler
Ausstellung der Münchener Secession

innewohnt. Dieselben Vorzüge hat das entzückende
Bild von Clarenbach »Niederrhein«. So klein und
einfach und doch so groß — so still-groß. Das ist alles
mit eigenen Augen gesehen, ohne holländische Brille.
Farbensatte und stark empfundene Werke bieten
Dirks (»Auf der Nordsee«), Carl Becker (»Sturm
bei Cuxhaven«), Ackermann, Oellers, Engstfeld,
Hacker, Hambüchen (»Kirchenportal in Moni-
kendam«), Hardt undjERNBERG. Ein verfeinertes
Tongefühl finden wir in den Arbeiten von Heinr.
Hermanns, Eug. Kampf, Liesegang, Westendorp
und Max Hünten. Im Kolorit zarter wie
die Genannten sind Grobe, Heimes und Hans
Deiters. Mattschass überrascht mit einem geschickt
gemalten und arrangierten »Mühlenberg«,
ebenso wie Böhmer mit einer frischen »Burg im
Walde« und Petersen-Angeln mit einem sonnigen
»Herbstmorgen im Walde«. Ein gesundes, starkes
Naturempfinden bezeugen Lins, C. Jutz jun.,
Müller-Werlau und Lüdecke (»Rappen im
Walde«). Von überzeugender Frische sind die Arbeiten
von Mühlig, Cornel. Wagner und von
Wille (»In den Feldern von Gerolstein«). Von den
Figurmalern seien erwähnt: Baur jun. (»Wolfsjagd«),
Bertrand (»Lütt Malen«), CROLAmit seinem subtil
durchgeführten »Dorfgelehrten«, Angermeyer
(»Allerlei Fragen«) und Hansen (»Eine kleine Gefälligkeit
«). Fein in der Behandlung ist Funk's
»Korbflechter«, ernst Männchen's »Heimwärts«
und »Ernste Gedanken«, frisch Montan's »Interieur
mit Figur«, sonnig das »Interieur« von Nordenberg.
Eine frische, sinnige Eigenart, die sich zwar noch
nicht ganz herausgearbeitet hat, zeigt Ritzenhofen
in seinem »Koch« und dem »Kinderporträt«, einen
guten koloristischen Sinn Zacharias (»Dämmerstunde
«) und Vezin (»Dämmerung«). Eigenartig
ist auch Schmurr in dem Bilde »Der Schlaf«,
trefflich ist der trockene Humor Schönnebeck's
(»Beim Spiel«). Von den plastischen Kunstwerken

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