Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 490
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0544
-*-S35> SÄCHSISCHE KUNSTAUSSTELLUNG IN DRESDEN <^=^

Paul Kiessling (Breslau), Otto Gussmann
(Schwaben), Karl Bantzer und Wilhelm Ritter
aus Hessen, Karl Gross und August Hudler
aus München, Wilhelm Kreis aus Eltville a. Rh.,
Georg Lührig aus Göttingen, Richard Müller
aus Deutsch-Böhmen, Sascha Schneider aus
St. Petersburg, Peter Pöppelmann aus Westfalen
u.s.w. Man kann überdies auch schwerlich
behaupten, daß der Name Sachsen eine
ausgesprochene völkische Eigenart bezeichne.

Nun trotzdem ist eine recht erfreuliche
Ausstellung zustande gekommen. Sie umfaßt
im ganzen 474 Kunstwerke, darunter
181 Oelgemälde, Aquarelle und Pastelle,
91 Werke der Griffelkunst, 104 plastische
Werke, 98 architektonische und kunstgewerbliche
Schöpfungen. Von den 218 Künstlern
wohnen 168 in Sachsen.

Der Ruhm, den Dresden durch seine Ausstellungskunst
in den letzten drei großen
Ausstellungen erworben hat, wird auch durch
die Sächsische Ausstellung bestätigt. Die so unerfreulichen
, stimmungslosen Räume des akademischen
Ausstellungspalastes sind nicht
wiederzuerkennen, so geschickt und künstlerisch
feinfühlig sind sie von den Architekten
Julius Gräbner, Fritz Reuter, Max Hans
Kühne, F. R. Voretzsch, G. v. Mayenburg
in Verbindung mit dem Maler Otto

paula von blanckenburg bildnis meiner schwester
Sächsische Kunstaasstellung in Dresden

Gussmann und dem Bildhauer Karl Gross
für die Ausstellung umgewandelt worden.
Beim Eintritt umfängt uns ein gewölbter Vorhof
in leuchtendem Gelb, dessen Mitte ein
schlichter monumentaler Springbrunnen einnimmt
. Der Brunnen mit dem laufenden
Wasser, die großen Formen der Architektur
mit einigen wirksam angebrachten Einzelheiten
, wie den zum Achteck überleitenden
Pendentifs in den Ecken, einige grüne Pflanzen
in den Ecken und dazu die auserlesenen
Werke der Plastik geben eine stimmungsvolle
Gesamtwirkung. Zur Linken auf erhöhtem
Podest steht vor einem mächtigen Teppich
Max Klinger's Athlet, eine rhythmisch scharf
durchgeführte, ungemein lebendige Gestalt,
die wie eine Studie zur Beseelung des Adlers
am Beethoven erscheint, dabei aber auch als
selbständiges Werk zu Klingers besten plastischen
Schöpfungen zählt. Ihr gegenüber
steht in einer großen Nische Karl Seffner's
ruhig vorschreitende Eva in weißem Marmor
(Abb. s. S. 496), im Reiz ihrer reifen Schönheit
ein wirksamer Gegensatz zu Klingers bewegtem
Bildwerk. Die Tür zum Hauptsaal
flankieren zwei Reliefs von Arthur Volkmann
: Amazone mit Pferd und Jüngling mit
Stier, in ihrer ruhigen Größe und monumentalen
Auffassung wie geschaffen für diesen
Platz. Einige wenige andere
wohlgewählte Bildwerke, darunter
eine ausgezeichnete
männliche Büste von Robert
Diez vervollständigen die
gediegene Ausstattung des
Raumes.

Wir betreten den großen
Hauptsaal. Julius Gräbner
hat auch ihn ungemein wirksam
umgestaltet. Drei erhöhte
Kabinette sind geschaffen
mit verbindendem
Brüstungsgang. Das Ganze
strahlt in pompejanischem
Rot, in Gelb und Blau. Die
Längswand zur Rechten weist
als Glanzpunkt elf Gemälde
von Fritz von Uhde auf,
dem in Sachsen bisher so
arg vernachlässigten sächsischen
Meister, von dem die
Dresdener Galerie bisher nur
ein einziges Gemälde besaß.
Das Hauptstück ist die ernste,
groß und deutsch, d. h. herb,
innerlich und ergreifend empfundene
Grablegung, dazu die
kostbaren Charakterstudien

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