http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0547
^S35> SÄCHSISCHE KUNSTAUSSTELLUNG IN DRESDEN
WERNER STEIN
CHRISTUS UND DIE SÜNDERIN
Sächsische Kunstausstellung in Dresden
Radiweib und Mann mit grünem Krug, die
eines Frans Hals würdig sind, das bekannte
treffliche Bild Kind und Hund, mehrere Bilder
von Uhdes Töchtern im Garten, eine köstliche
ältere Landschaft „Im Sommer", „Am Morgen"
(Abb.s.S.491), das Bildnis des Hofschauspieler
Wohlmuth als Richard III. (Abb. XIV. Jahrg.
S. 237) und Uhdes Selbstbildnis (Abb.
XIV. Jahrg. S. 225), das soeben für die kgl.
Gemäldegalerie zu Dresden angekauft wurde.
Das Hauptgewicht dieser Ausstellung Fritz
von Uhdes liegt also nicht in seinen religiösen
Bildern, sondern in seinen späteren Gemälden,
in denen er vielmehr Luft- und Lichtprobleme
von hohem malerischem Reiz mit frischem
künstlerischen Empfinden löst. Mag man diese
oder jene Bilder höher stellen, jedenfalls ist
Fritz von Uhde derjenige sächsische Künstler,
der seinem Vaterlande zur höchsten Zierde
gereicht. Daß man ihm in Sachsen nicht
mehr Ehre angetan hat, ist in keiner Weise
zu rechtfertigen.
Gegenüber an der Brüstungswand hängt
Karl Bantzer's charakteristisches Bildnis
des Königs Georg von Sachsen, bei dem
namentlich der Kopf in Ausdruck und Farbe
meisterlich gelungen ist, und von demselben
eine seiner fein naturwahren und stimmungsvollen
Landschaften: „Frühlingsstimmung". In
den drei erhöhten Kabinetten finden wir u. a.
ein eigenartiges lebensgroßes, nur etwas unfreies
Bildnis einer Dame vor einer weißen
Tür von Oskar Zwintscher (s. S. 506), dann
ein vorzügliches Werk von Hans Unger:
eine Frau in herbstlicher Landschaft, die in
fein ausgeglichenem Kolorit die Schwermut
des Welkens von Jugend und Schönheit veranschaulicht
(Abb. s. S. 497). Zwei Bildnisse
von Richard Müller, „Alte Frau" und
„Mann mit Pelzmütze", sind in der Detaildurchbildung
staunenswert. Von Th.Th. Heine
sehen wir hier die etwas sonderbar anmutende
Riesenkarikatur „Der Kampf mit dem Drachen"
(s. S. 505), die man als dekoratives Wandbild
am ehesten würdigen wird, und den ungemein
scherzhaften Dichterling, über dessen Sturz
vom Pegasus sich zwei Nymphen vor Lachen
ausschütten wollen (Abb. XVII. Jahrg. S. 439),
eine Komposition von so liebenswürdigem
Humor, wie wir ihn sonst in der beißenden
493
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0547