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-*-4s£> SÄCHSISCHE KUNSTAUSSTELLUNG IN DRESDEN <^=^
Plakat-Wiedergabe leider in der Augenpartie zu
schwarz herausgekommen ist, und von Max
Pietschmann eine in Schabkunstmanier hergestellte
Kreuzabnahme, die der Sächsische
Kunstverein soeben alsVereinsblattgewählt hat.
Auch von Bernh. Mannfeld, dem in Meißen
geborenen Frankfurter Künstler, von Richard
Müller (s. S. 507) und Georg Jahn (s. S. 499)
sind bezeichnende Blätter vorhanden. Der uralte
Ludwig Friedrich, der Zeitgenosse der
Schnorr von Carolsfeld und Cornelius, hat aus
seinen Mappen zum ersten Male die vor Jahr-
CARL SEFFNER EVA
Sächsische Kunstausstellung in Dresden
Angekauft vom Städtisclien Museum in Magdeburg
zehnten entstandeneSiegfriedsage nachSchnorr
in neun Kupferstichen herausgesucht und ausgestellt
. Nicht zu übersehen ist, daß in einem
anderen Räume der Ausstellung Karl Köp-
ping eine Auswahl seiner bekannten berühmten
Radierungen ausgestellt hat: außer
seinem Selbstbildnis zwei nach Munkacsy,
zwei nach Rembrandt, je eine nach Frans
Hals und Gainsborough, ein Abriß des bedeutsamen
Lebenswerkes Karl Köppings, der
gleich Uhde zu den bedeutendsten aus Sachsen
gebürtigen lebenden Künstlern gehört.
In dem nun folgenden fünfeckigen Saale ist
vor allem zweier Gemälde von Georg Lührig
zu gedenken — „Jugend und Alter", „Der alte
Baum" - - von denen das erste seine Beobach-
tungs- und Charakterisierungskunst, das andere
seine lebendige Phantasie trefflich kennzeichnet
. Sie gehören zu den besten Werken der
Ausstellung. Weiter finden wir hier die Landschafter
Georg Wilhelm Ritter - - mit einer
farbig ungemein kräftigen Ansicht aus einem
Dorfe bei Dresden Max Pietschmann
(Gewitterstimmung), Friedrich Bertram von
Voss, Alfred Schmidt (s. S. 498), Bernhard
ScHRÖTER-Meißen, Wilhelm Ulmer und
L. Paul Herrmann, deren jeder die Natur
in seiner Art ansprechend wiederzugeben
weiß, und als sehr tüchtiger Tiermaler ist
Franz Hochmann (Kühe im Watt) zu nennen.
Ein kleines Kabinett zur Linken birgt eine
ganze Reihe höchst interessanter kleiner Gemälde
Interieurs aus Lüneburg, Holland,
Lübeck u. s. w. von Gotthard Kuehl,
dessen glanzvolle Hauptgemälde - Ansichten
von Dresden — diesmal allerdings die Deutsche
Städte - Ausstellung birgt. Eine Vitrine in
demselben kleinen Räume enthält eine Reihe
hervorragender Schmucksachen von dem
Dresdener Goldschmied Artur Berger, der
ausschließlich im modernen Stil nach Entwürfen
von Cissarz, Gross, Geschwister
Kleinhempel u. a. arbeitet. Weiter enthält die
Architektur-Abteilung zahlreiche Zeichnungen
der besten Architekten Dresdens: Wilhelm
Kreis, Schilling und Gräbner, Max Hans
Kühne, Fritz Schumacher, Kurt Diestel;
sie zeigen einerseits deren ausgezeichnetes
Können im modernen Schaffen, wie die wirksame
Art der Darstellung, deren sich die
Architektur gegenwärtig befleißigt.
Schließlich gelangen wir in den Kuppelsaal
. Die schlechte Beleuchtung hat Hans Max
Kühne freilich nicht ganz beseitigen können,
aber einen festlichen Anstrich hat der sonst
so trostlose Raum doch gewonnen, und besonderes
Lob verdient der tempelartige Einbau
, worin Peter Pöppelmann's Modell einer
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