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-*-s^> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN -
"W7IEN. Anton Scharff, der bekannte Medail-
leur, ist am 7. Juli, nur achtundfünfzig Jahre
alt, gestorben. Vom Lebenswerk des Künstlers in
dieser Zeitschrift eingehender zu sprechen, wird
sich alsbald in anderem Zusammenhang Gelegenheit
geben, über die Bedeutung Scharffs sei daher heut
nur kurz bemerkt, daß er, nicht nur für Oesterreich,
als einer der bedeutsamsten Vertreter der von ihm
gepflegten Kunst galt. Ein gesunder Naturalismus,
ein seltener Blick für das Individuelle, der im Laufe
der Jahre für die Bildnisschöpfungen des Künstlers
zu einer außerordentlichen Porträtsicherheit führte,
eine frische, phantasiereiche Darstellungsgabe— alles
das trat in seinen Werken bereits zu einer Zeit
hervor, wo vielfach Akademisch noch Trumpf war.
So drang er frühzeitig durch und machte Schule.
Am 10. Juni 1845 in Wien geboren, ist Scharff mit
siebzehn Jahren als Eleve in das damals von Jos.
Dan. Böhm geleitete Hauptmünzamt eingetreten, sein
Lehrer an der Akademie war nebenher Franz Bauer,
1866 wurde Scharff Graveur-Gehilfe, 1881 Münzgraveur
, 1887 Kammer-Medailleur und 1896 Direktor
der Graveur-Akademie. Scharff war einer der produktivsten
Künstler auf seinem Gebiete: das von
A. R. von Loehr in seinem Werke »Wiener Medailleure
« 1899 zusammengestellte Verzeichnis der Medaillenschöpfungen
Scharffs weist bis dahin die Zahl
von 328 auf. Das Bildnis des Künstlers geben wir
in dem untenstehend reproduzierten Atelier-Bilde
H. TEMPLE
EIN BESUCH IM A'
(Anton Scharff f 7. Juli)
Hans Temples : Anton Scharff bildet den Mittelpunkt
der geschickt komponierten Gruppe.
MÜNCHEN. Der Landschaftsmaler Prof. Hugo
Bürgel ist am 3. Juli gestorben, ein Verlust
für die Münchener Kunst, der alle schmerzlich berühren
wird, denen die schlichte und doch eindrucksvolle
Kunst des Geschiedenen sympathisch
gewesen ist. Erst vor wenigen Monaten (in Heft 9
d. lauf. Jahrg.) war eingehend von ihr auch in diesen
Blättern die Rede, wir verweisen auf die dort gegebene
Charakteristik. Auch das Porträt des Künstlers
ist dort zu finden. Hugo Bürgel ward am
14. April 1853 in Landshut geboren und widmete
sich der militärischen Laufbahn, der er aber 1887
als Oberleutnant entsagte, um sie ganz mit der
künstlerischen Tätigkeit zu vertauschen, mit der er
sich zuvor schon als Schüler von Prof. Aug. Fink
beschäftigt hatte. Der Name des Verstorbenen ist
eng verknüpft mit den in der Münchener Kunstgenossenschaft
, auch nach Gründung der »Sezession«
noch, geführten Kämpfen, die zur Entstehung der
Luitpoldgruppe führten. Im Beginn des Jahres 1896
an die Spitze der Künstlergenossenschaft gestellt,
verfolgte Bürgel in dieser Stellung vor allem
das Ziel einer Reorganisation der Glaspalastausstellung
. Die Majorität der Genossenschaft trat
hindernd entgegen, es blieb somit Bürgel nur
die Wahl, entweder den Wünschen und dem
Willen der Majorität nachzugeben und
damit auf seine Ideale zu verzichten
oder sich selbst treu zu bleiben
und sein Amt niederzulegen. Er tat
das letztere im Dezember 1896 und
wurde nun naturgemäß der Führer der
Künstler, die sich zur Luitpoldgruppe
zusammenschlössen. Als deren Präsident
hat Bürgel Jahre hindurch verdienstvoll
auch in dieser Weise für die
Münchener Kunst gewirkt. — Die
Malerin Olga Weiss ist am 30. Juni
gestorben. Die segensreiche Tätigkeit,
welche diese Künstlerin als Lehrerin
an der hiesigen Kunstgewerbeschule
entfaltete, ist der größeren Oeffent-
lichkeit wenig bekannt geworden, mit
welch' hingebendem Eifer und schönen
Erfolgen die Verewigte sich ihrer Aufgabe
widmete, davon zeugte die unbegrenzte
Verehrung, mit der die ihrer
künstlerischen Führung anvertraute
Jugend jederzeit an ihr hing. Am
18. September 1853 als Tochter des
herzoglichen Leuchtenbergschen Hofmalers
Joseph Weiß geboren, wurde
Olga Weiß schon in frühester Jugend
im Atelier des Vaters so mit Pinsel
und Farbe vertraut, daß bei ihren
natürlichen Anlagen kein Zweifel über
ihren zukünftigen Beruf obwalten konnte.
Ihre letzten schulmäßigen Studien
machte sie in der hiesigen Kunstgewerbeschule
, kurz bevor sie dort
November 1879 — den Unterricht im
Blumenzeichnen und später auch
Blumenmalen übernahm.
ESTORBEN : Zu Brüssel am 17.Juni,
siebenundsechzig Jahre alt, der
Landschaftsmaler Eugene Verdyen ;
in Jena am 14. Juni, vierundachtzig
Jahre alt, der Aesthetiker Dr. Max
Schasler.
ELIER scharff
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