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johannes schilling
(Vergl. a. s. 510 u. 511)
DENKMÄLER
LJ AM BURG. DasRei-
* terstandbild Kaiser
Wilhelms I. von Johannes
Schilling, von
dessen Enthüllung im
letzten Hefteschon kurz
berichtet ward, erhebt
sich vor dem Rathause
auf einem großen, in
sich geschlossenen
Platze, der sich durch
seine erhöhte Lage von
den umgebenden Strassen
abhebt und an den
Seiten durch Steinbrüstungen
und Balustraden
abgegrenzt ist. Der
ganze Platz zerfällt in
drei Teile, welche Gliederung auch in der ornamentalen
Ausschmückung des Mosaikfußbodens zum
Ausdruck kommt. Der mittlere Teil, der das
Standbild unmittelbar umgibt, wird vorn an den
Ausbuchtungen der hinabführenden Treppe und
hinten an deren Wangen durch zwei künstlerisch
gehaltene Kandelaber flankiert, die elektrische Bogenlampen
tragen. Die beiden anderen Teile des Denkmalplatzes
schließen sich rechts und links an den
quadratischen Mittelteil in der Form von Kreissegmenten
an, und zwar bildet den Kreisbogen auf
jeder Seite eine fortlaufende Steinbrüstung, die von
den hinteren Kandelabern ausgeht und an den
Ecken der vorderen Treppe in zwei mächtigen, reich
ornamentierten Bannermasten ihren Abschluß findet.
Innerhalb dieser architektonischen
Einfriedigung, die den
Denkmalsplatz nach rückwärts
im Halboval begrenzt, laufen an
der Brüstung Ruhebänke entlang
, die an den beiden äußeren
Enden durch je zwei bronzene
Greife gegliedert und verziert
sind. In der Mitte dagegen erhebt
sich auf beiden Seiten die
Brüstung zu einer mächtigen
Balustrade, deren Pfeiler mit
Feuerbecken bekrönt sind. In
die Balustraden sind an der
Innenseite zwei große Reliefs
— die Kaiserproklamation zu
Versailles und der Empfang der
heimkehrenden Krieger — eingelassen
, vor ihren Pfeilern haben
vier allegorische Gruppen
Platz erhalten, welche die Einführung
einheitlichen Rechts, die
Gestaltung einheitlichen Maß-
und Münzsystems, die Gesetzgebung
auf dem Gebiete der
Kranken- und Altersversorgung
und schließlich die einheitliche
Ausgestaltung des Postwesens
und Fernsprechverkehrs verbildlichen
. Die bronzene Reiterfigur
des Kaisers (Abb. s. S. 511) erhebt
sich auf einem künstlerisch
außerordentlich reich ausgestatteten
, hohen Sockel aus poliertem,
rotem schwedischem Granit. Auf
der Stirnseite des Sockels sind
die Kaiserkrone, der Reichsschild
und das Reichsschwert dargestellt
, geschmückt mit dem Lorbeer des Friedens und
der Palme des Sieges. Auf der Rückseite ist die
Jahreszahl der Errichtung des Denkmals, umgeben
von einem Kranze, angebracht, jedwede sonstige
Inschrift fehlt. Die Längsseiten werden von den
a. S. 510 abbildlich gegebenen Reliefdarstellungen belebt
. Kleine Wappen-Reliefs schmücken auch die
Sockel der Flaggenmasten, Viktorien in Relief-Darstellungen
flankieren die großen Kompositionen an
den Balustraden. Die klassische Ruhe, welche die
Gestalt des mild und würdevoll herniederschauenden
Kaisers erfüllt, gibt dem ganzen Denkmal sein
Gepräge, der edle Charakter des Monarchen kommt
zu erhabenem und feierlichem Ausdruck. Es ist
ein schönes Werk, das Johannes Schilling, der jetzt
Fünfundsiebzigjährige, der Hansastadt gestaltet hat.
EISSENBURG a. S. Das von dem früh ver-
storbenen Bildhauer Emil Dittler entworfene,
von August drumm-München sodann vollendete
Denkmal für Kaiser Ludwig den Bayern ist am
5. Juli enthüllt worden.
LEIPZIG. Carl Seffner's Denkmal des jungen
Goethe (nach dem Modell a. S. 318 d. XVI. Jahrg.
reproduziert) wurde am 28. Juni enthüllt.
/DOLBERG. Am 2. Juli ist ein von dem Bild-
^ hauer Georg Meyer-Steglitz modelliertes
Gneisenau-Nettelbeck-Denkmal enthüllt worden.
VV/ÜRZBURG. Ein Denkmal des Prinzregenten
™ Luitpold von Bayern, von dem Bildhauer und
Münchner Akademie-Direktor Ferdinand von
Miller geschaffen, ward am 8. Juli enthüllt.
anton jos. pepino
am schreibtisch
Sächsische Kunstausstellung in Dresden
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