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-^5> DIE FÜNFTE VENEZIANER KUNSTAUSSTELLUNG <^=^
gewissen Druck auf die einzuordnenden Kunstwerke
ausüben und die Künstler nötigen würden
, von vornherein einige Rücksicht auf eine
ruhige und maßvolle, aber anderseits auch
nicht zu vergewaltigende Umgebung zu
nehmen. Man hoffte also generaliter zu erreichen
, was der einzelne Besteller, der das
gewünschte Kunstwerk für einen bestimmten
Platz, eine bestimmte Beleuchtung, einen
gegebenen Zweck ausführen läßt, allenfalls
durchsetzen kann, wenn er auf einen einsichtigen
Künstler trifft. Da aber der Sammler
das zu kaufende oder zu bestellende Werk
seinem Saale anzupassen vermag, Ausstellungsräume
jedoch den einschickenden Künstlern
um so weniger vertraut sein können, je sorgfältiger
sie auf eine eigene Wirkung hin ausgestattet
worden sind, so war der Ausgang
des Versuches schon an sich recht fraglich;
ich kann auch nicht verschweigen, daß ich
ihn für mißlungen halte, selbst wenn ich in
ANGELO JANK
Fünfte Internationale Kunstausstellung in Venedig
Betracht ziehe, daß der italienische Geschmack
andres fordert als der unsrige und dabei in
seinem Rechte ist.
Die Schwierigkeit des Problems war dem
Vorstand ohne Zweifel bewußt und wahrscheinlich
um ihretwillen wurde es nicht
gleich an allen, sondern nur etwa an der
Hälfte der Säle probiert. Man wählte dazu
fast ausschließlich die für italienische Kunstwerke
bestimmten; das war nicht nur rücksichtsvoll
gegen die fremden Gäste, sondern
ermöglichte vielleicht auch ein rechtzeitiges
Einvernehmen zwischen den ausstattenden
und den ausstellenden Künstlern. Außerdem
sollte ein zweiter Versuch gemacht werden,
nämlich der, die Ausstellung zur Erweckung
von regionalen Stil-Idiotismen zu benutzen.
Die acht italienischen Säle wurden unter
Latium, Neapel, Toskana, Lombardei, Emilia,
Piemont und Venedig verteilt und Künstler
der betreffenden Gegenden erhielten den Auftrag
, sie mit Anklängen an
den Charakter und die Tradition
der Heimat, übrigens
auch ohne die Kosten anzusehen
, so vornehm wie
möglich zu dekorieren, sowie
mit den zugelassenen
Werken von ebenfalls heimatlichen
Meistern aufs geschmackvollste
zu füllen.
Aus irgendwelchen Gründen
gab man dem internationalen
Porträtsaal, der
nach dem Vorgang der
Dresdner Ausstellung von
1902 angelegt wurde, ebenfalls
eine besondere Ausstattung
; die große Ehrenhalle
dagegen und die übrigen
Säle wurden in herkömmlicher
Weise in verschiedenen
Farben und nicht
ohne Aufwand an guten
Stoffen und solidem Holzwerk
gehalten, und in einer
Flucht von fünf kleineren,
angeblich der Presse gewidmeten
Räumen durften
die Kunst und die Phantasie
der venezianischen Tapeziere
sich ausleben: sie
schufen dort aus Holz und
Stuck in den zartesten Farben
, aus gestickter Seide
und Spitzen ein Vorzimmerchen
und ein Boudoir, die
für eine Primadonna passen
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