http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0609
-sr^)- PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN <ö^.
dieser Zeichnungen, die der Künstler in stetem
Schaffen noch emsig vermehren wird, und die in
ihrer Gesamtheit eine einzigartige Darstellung der
Landschaft bieten sollen, in Reproduktion bei
Friedrich Rothbarth in München erscheinen werden.
Die bislang vorliegende erste Mappe umfaßt achtzehn
Zeichnungen auf zwölf Blättern und kostet
5 M. Willroider, der eben achtundfünfzig Jahre alt
wurde, ist in Villach (Kärnten) geboren, gleich seinem
älteren Bruder Joseph, von dem er den ersten Unterricht
erhielt. o
E> ASEL. In der Schweiz hat sich eine neue Künst-
lervereinigung gebildet. Angeregt durch die in
München ansässigen Landsleute Albert Welti und
Carl Theodor Meyer-Basel, sind diejenigen Schweizer
Künstler, welche auch graphisch arbeiten, zu einem
Verbände zusammengetreten, der, ähnlich wie der
Karlsruher Künstlerbund, durchWanderausstellungen
von Radierungen, Lithographien
und Holzschnitten
echte Kunst in
weite Kreise des Volkes
bringen soll. Die schweizerischen
Graphiker wollen
also das Schlechte
verdrängen helfen, das
sich, trotz aller »Kunsterziehung
«, immer noch
im schweizerischen (wie
im deutschen) Bürgerund
Bauernhause findet.
Wenn sie in ihrem Lande
so freudig aufgenommen
werden, wie die »Karlsruher
« in vielen Gegenden
Deutschlands, so
wollen sie von Sieg der
guten Sache reden, ob-
schon dann noch manches
zu tun und die ganz
breite Masse des Volkes
eigentlich noch völlig zu
erobern bleiben wird.
Einstweilen hat der neue
Verband in Basel eine
erste Ausstellung veranstaltet
, die zwar noch
klein ist, aber doch schon
recht Gutes enthält. An
der Spitze steht Albert
Welti mit seinen groß
gesehenen, so echt phantasiemäßigen
, vollkünstlerischen
Radierungen
und seiner Lithographie
»Die Lebensalter«. Carl
TheodorMeyer-Basel
hat einige von seinen
feinen und doch dekorativer
Wirksamkeit nicht
entbehrenden Radierungen
ausgestellt, sodann
hauptsächlich Farbenlithographien
, sämtlich
Landschaften von weichpoetischer
, aber durchaus
nicht süßlicher Auffassung
. Noch kräftiger
wirken die Sachen von
Hans Beat. Wieland,
ebenfalls Landschaften,
von sattem Kolorit, dem
jedoch nie die künstlerische Harmonie fehlt. Ein begabter
Graphiker ist Karl Liner (St. Gallen); seine
Farbenholzschnitte sind von eigenartiger Großzügigkeit
. Adolf Thomann (Zürich) hat Tiere in ihrer
wesentlichen Form erfaßt und hat sie mit ihrer Luft-
und Landschaftsumgebung in schönen Farbenzusammenhang
gebracht. Fritz Burger (Basel) exzel-
liert mit seinen eleganten, geschickt gezeichneten,
pikant in Gelb und Grau getönten Pariserinnen. An
Adolf Stäblis ernste Kunst gemahnen drei mächtig
wirkende landschaftliche Radierungen von Otto
Gampert (München). Emil Anner (Baden) radiert
zart durchempfundene Landschaften in persönlichem,
vielen Geschmack verratendem Stil. Ernst Würten-
berger (Emmishofen) hat ein Blatt »Gottfried
Keller« da, ansprechend in Auffassung und Kolorit.
MarieLa RoCHE(Basel),eine begabte Schülerin Hans
Thomas, ist mit zwei farbigen Blättern »Bernau«
und »Alte Rheinbrücke in Basel« unter die in erster
otto propheter
bildnis
Jahres-Ausstellung im Münchener Glaspalast
der frau v. sch.
549
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0609