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ZUM 100. GEBURTSTAG LUDWIG RICHTERS *C^^
LUDWIG RICHTER KIRCHE ZU GRAUPEN IN BÖHMEN (1836)
Oelgemälde. Das Original im Besitz der verw. Herzogin Elimar von Oldenburg
bestimmte Komposition, schon des alten Kochs
Rat Einfluß gewann. Die Kapitel, in denen
Richter die verschiedenen Persönlichkeiten
der römischen Künstlergemeinde und sein
eigenes allmähliches Hineinwachsen in den
quellenden und drängenden Frühling dieses
jungen Schaffens schildert, gehören zum
Schönsten und Lehrreichsten, was über diese
merkwürdige Periode gesagt worden ist. Der
Geist, der hier waltete, läßt sich nicht treffender
in Worte fassen als es unser Meister
tut : . . . „Gut deutsch und ehrlich fromm
wollten alle diejenigen jungen Künstler sein,
in denen ein edlerer Geist lebte. Vaterland
und Glaube, irdische und himmlische Heimat
waren die beiden Pole, inmitten deren sich
das gesunde Leben bewegte; in dem einen
wurzelte das Gemüt, nach dem andern strebte
der Geist." Wie hätte der Novize sich nicht
dem Strome solcher Empfindungen mit aller
Begeisterung seiner reinen, jungen Seele hingeben
sollen?
Das, was Richter „den Respekt vor der
Natur und ihren konsequenten Bildungen"
nennt, ist den vier größeren Bildern, die uns
aus dem römischen Triennium erhalten sind,
gewiß eigen. In der „Rocca di Mezzo"
(Abb. s. S. 577) macht sich das besondere
Kompositionsprinzip schon deutlich geltend,
das später in den allermeisten seiner Oel-
bilder herrscht: der Vordergrund liegt im
Schatten, während das Licht die hinteren
Partien überströmt. Von einer einheitlichen
farbigen Haltung kann bei diesem Versuch
von 1825 noch nicht die Rede sein. Nur
über den Bergen schwebt der blaue Luftton,
an dem Richters Lehrer Graff jun. aber
sicher Freude gehabt hätte. Der kleine Zug
von Landleuten mit ihren Eseln auf der ansteigenden
Straße ist mit miniaturartiger
Feinheit, mit spitzestem Pinsel durchgeführt.
Schon weit mehr ins Idealistisch-Gesetzte,
mit deutlichen Zügen aus der Naturwelt
Claude Lorrains, neigt das „Tal bei Amalfi".
(Abb. s. S. 570). Wenn auch der Künstler
selbst eine „gewisse feierliche Steifheit und
Härte in den Umrissen, Magerkeit in den
Formen, Vorliebe zu senkrechten Linien, wie
in einem gotischen Münsterbau, dünnen Farbenauftrag
etc.", charakteristische Züge aller
Bilder, die damals von deutschen Künstlern
in Rom gemalt wurden, in dieser Arbeit
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