Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 570
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-sr4^> ZUM 100. GEBURTSTAG LUDWIG RICHTERS <^=^

achte Dezennium ein Ziel gesetzt. Mit der
Ausarbeitung seiner Lebensgeschichte, mit
der Vertiefung in die Probleme künstlerischer
und vor allem religiöser Wissenschaft und
Lebensanschauung verbrachte er die letzten
Jahre. Und als er, am 19. Juli 1884, dahinging
, da trauerte die deutsche Kunst um einen
Jünger, der den Kultus der Schönheit im
freien Dienste sittlicher Ideen in die unruhvolle
Zeit neuer Evolutionen rein und mit
priesterlicher Lauterkeit hinübergetragen hatte.

* *
*

Als die Dresdner Kunstgenossenschaft beschloß
, den sächsischen Meister bei seinem
hundertsten Geburtstag durch eine Zusammenfassung
seines Lebenswerkes der Mitwelt neu
vor Augen zu führen, ist sie sich der Schwierigkeiten
vielleicht nicht voll bewußt gewesen,
die gerade der Genius dieses Künstlers dem
Apparat einer modernen Ausstellung entgegensetzt
. Am Zeichentisch entstanden, für die
Wirkung im Buche, meist neben dem gedruckten
Worte bestimmt, mußte die Mehrzahl
dieser Schöpfungen ihre zartesten Reize
beim Aufhäufen in großer Menge verlieren.
Karl Woermann, Dresdens bekannter Galeriedirektor
, hat aber der von ihm geleiteten
Ausstellung nicht nur die Gewissenhaftigkeit
und den Eifer eines wissenschaftlich hochgebildeten
Kenners, sondern auch das nachfühlende
Verständnis und den Geschmack
eines künstlerisch empfindenden Verehrers
dieser Persönlichkeit gewidmet. In den vier
Räumen der Sächsischen Kunstausstellung
1903 auf der Brühischen Terrasse, die der
junge Dresdner Architekt M. H. Kühne gestaltet
hat, sind die 607 Oelgemälde, Wasserfarbenblätter
und Zeichnungen so verteilt,
daß schon dem achtlos Wandelnden, viel mehr
noch dem aufmerksam Prüfenden die bestimmende
Züge dieser Künstlerphysiognomie
sich klar und lebensvoll enthüllen.

Man weiß, daß eine ganze Reihe von seelischen
Zuständen, denen wir die künstlerische
Darstellbarkeit im höchsten Maße zusprechen,
in Ludwig Richters Kunst nicht zum Ausdruck
gelangen. Jede Leidenschaft, das Selbstbewußtsein
und der Trotz des in sich Gefestigten
, der Zorn über das Unrecht, der
Konflikt von Gut und Böse, selbst das stürmische
Aufwallen der wunderbaren Triebkräfte
, die Mann und Weib zu einander drängen,
die Liebe in ihrer edelsten sinnlichen Er-

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