Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 579
(PDF, 173 MB)
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-^25> VERMISCHTES — KUNSTLITERATUR <^=^

seien, werde der Festsetzung des Schmutzes durch
Verglasung am besten entgegengewirkt. Nicht
minder hoch sei der Schutz anzuschlagen, den die
Gläser gegen die Verunreinigung der Bilder durch
Fliegen gewährten, ebenso werde jede gewollte und
ungewollte Berührung der Bildfläche von Seiten des
Publikums hintangehalten. Auch der künstlerischen
Wirkung des Bildes gereiche die Verglasung zum
Vorteil. Das Glas wirke, wenn es von guter Qualität
sei und absolut reingehalten werde, wie ein klarer
Firnis. Eingeschlagene Stellen verlören ihren opaken
Charakter, und die Farben erschienen, durch das
Glas gesehen, eher gesteigert als abgetönt oder
herabgestimmt. Bei sehr dunklen Bildern werde man
freilich, wenn sie mit Gläsern versehen seien, selbst
auf Kosten der sonst so strenge eingehaltenen wissenschaftlichen
Ordnung trachten müssen, Ausstellungsplätze
zu ermitteln, an denen die Spiegelung die
Gesamtwirkung nicht zu schädigen vermöge, oder
es seien sonstige Maßregeln zu treffen, welche die
Spiegelung verhindern.

NEUE KUNSTLITTERATUR

Theodor Birt, Laienurteil über bildende
Kunst bei den Alten. Ein Kapitel zur antiken
Aesthetik. Rektoratsrede. (Marburg, N. G. Elwert-
sche Verlagsbuchhandlung, 1 M.)

Wie uns Jakob Burckhardt von neu gewonnener
Höhe das Ganze griechischer Kultur hat überschauen
lassen, so führt uns nun der vielbelesene und weitgewanderte
Marburger Gelehrte auf ein besonderes
Gebiet antiker Kultur, das in unserer
an ästhetischen Betrachtungen, an künstlerischen
Würdigungen so reichen Literatur
der Zeit, von keinem noch gründlich durchquert
wurde. Schon deshalb werden gar Viele
dieses originelle Schriftchen mit größtem
Interesse lesen, und um so bereitwilliger
werden sie ihre bisherige Meinung von
einem hohen Kunsturteil der Alten korrigieren
, als es ein klassischer Philologe geschrieben
, der unumwunden sagt, was den
Alten gefehlt, was sie nicht vermocht. Und
Birts Untersuchung der Frage, wie die Alten
die Kunstwerke beurteilt, fällt wenig vorteilhaft
für die ästhetische Kultur der Griechen
und Römer aus. »Flüchtig, flach und unselbständig
blieb das Urteil des Römers zu allen
Zeiten.« So wenig auch in unseren Reisehandbüchern
die Sternchen bei einem genannten
Kunstwerk zum künstlerischen Genießen
führen, so sehr viel tiefer stehen doch
die ledernen Beschreibungen des Pausanias
unter denen eines Baedeker. Birts sinngemäße
Zusammenstellung, sein geistvolles
Würdigen der verschiedenen Beurteilung, die
die Kunstwerke der verschiedenen Epochen
seitens der damaligen »Kunstschriftsteller«
und Rhetoren und Dichter erfuhren, führt
den Leser durch eine Fülle von interessanten,
oft fast unbegreiflich geistlosen Aussprüchen
alter »Laien« zu neuen Perspektiven. Eine
Frage, die sich dem Leser der trefflichen
Birtschen Rede naturgemäß am nach haltigsten
aufdrängt, berührt Birt selbst wiederholt.
Wie kommt es, daß das Urteil der Laien über
bildende Kunst sich erst hob, als die Kunst
zweifellos von ihrer Höhe herabgesunken
war? Birts Antwort hierauf dürfte teils mit
seiner eigenen Erinnerung an die myke-
nische Kunst korrigiert werden, noch mehr
aber ist zu erinnern, daß ein in die Augen

tretender Wechsel der künstlerischen Anschauungen
und Gebilde das Urteil des Laien schärft, den Denkenden
notwendigerweise zum ästhetischen Sondern und
Auswählen führt. Diese durch den Wandel hervorgerufene
intellektuelle Tätigkeit läuft der Tätigkeit
des Sammlers parallel, beide aber setzen auch
einen großen Reichtum an künstlerischer Produktion
voraus. So darf ganz gewiß nicht eine gewisse Reife
künstlerischen Beurteilens als allgemein gültiges
Zeichen einer künstlerischen Dekadence angesehen
werden. — Belehrung, Genuß, Anregung bringt das
Schriftchen Theodor Birts in reichem Maße nicht
nur philologischen Laien, sondern sicherlich auch
Philologen. Ich möchte, wir hätten unter Deutschlands
klassischen Philologen mehr Männer, die wie
Birt aus altem Schatze neue Güter zu heben, so nachhaltige
Anregungen zu geben wissen, e. w. Bredt

Geschichte der modernen Kunst. Band 1.
Französische Malerei 1800—1900 von Karl
Eugen Schmidt. (Pr. 3 Mk.) Band 2 und 3.
Oesterreichische Kunst von L. Hevesi,
1800-1900. (Pr. 7 Mk.) Leipzig, E. A. Seemann.

Da es nun gerade genug Kunstgeschichten gibt,
die die Entwicklung der Kunst durch größte Epochen
hindurch, oder gar vom Anfang aller Kunst
bis auf den heutigen Tag darstellen oder charakterisieren
, so wird sich wohl jeder Kunstfreund
über Kunstgeschichten, die ein engeres Gebiet ins
Auge fassen, von vornherein mehr freuen als über
jene. Die Verlagshandlung E. A. Seemann gibt

ludwig richter

Zu „Reineke Fuchs"

Getuschte Federzeichnung.

Eigent.

reineke begnadigt
von könig nobel;(1840)
Herr Ed. Cichorius in Leipzig

579

73*


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