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LUDWIG RICHTER „FINIS"
Schlußvignette in Musäus Volksmärchen. Bleistiftentwurf
. Eigent.: Frau Prof. Grahl in Dresden
Vergangenheit. Erster Band. Tonkunst — Bildende
Kunst — Dichtung — Weltanschauung. Erste und
zweite Auflage. (Berlin, R. Gärtners Verlagsbuchhandlung
, 6 M., geb. 8 M.).
So sehr erfreulich gerade Lamprechts Hervorheben
der kulturellen
und wirtschaftlichen
Entwicklung in seiner
»Deutschen Geschichte
« ist, an diesem
Bande wird
auch der Freund
Lamprechtscher Geschichtsschreibung
wenig Freude haben.
— Hier interessiert
uns nur seine Kritik
der bildenden Kunst
der jüngsten Vergangenheit
. Eigenes
Sehen, eigenes Beurteilen
ist kaum zu
erkennen. Lamprecht
hat viel über Kunst
gelesen und auch
sein Buch scheint
nur für solche geschrieben
, zu denen
selbst die Kunst recht
eigentlich nur aus
Büchern spricht —
fast möchte ich sagen
aus Katalog- und
Zettelkästen.— Ganz
»genau« z. B. gruppiert
er die letzte
Plastik in vier Richtungen
: »Die eine
geht auf eingehendste
und vollständigste
Wahrheit zunächst
des physiologischen
Eindruckes, sie ent-
sprichtdem physiologischen
Impressionismus
der Malerei; die andere entfaltet eine Idealplastik
im Sinne des malerischen Uebergangsidealis-
mus; die dritte und vierte idealisieren den physiologischen
und psychologischen Impressionismus. Und
in der Tat: welche anderen Strömungen wären auch
denkbar? Wie soll die Plastik z. B. etwa der naturalistischen
Seite des psychologischen Impressionismus
gerecht werden?« — Das riecht denn doch etwas
sehr nach Staub und nach der Petroleumlampe.
Wer Lamprecht als Historiker hochschätzt, der wird
bedauern, daß er kleinen Beobachtungen so einen
großen »wissenschaftlichen« Nimbus zu geben versucht
. Die Angliederung dieses Bandes an seine
noch unvollständige »Deutsche Geschichte« ist
jedenfalls ein Mißgriff. Was er über das Kunstgewerbe
sagt, enthält viel Richtiges — aber überall
sonst treten die merkwürdigsten Gruppierungen
und Nebeneinanderstellungen unerfreulich
ins Auge. — Ob wohl Hildebrand sich gern mit
Maison vergleichen läßt? Dieser Band Lamprechts
zeigt deutlich, daß ein Gelehrter wie Lamprecht
sehr wohl das ganze Gebiet der Kultur einer
geschichtlich abgeschlossenen Zeit umfassen kann,
aber unmöglich in der Lage ist, alle Kulturäußerungen
der Gegenwart zu kennen, geschweige
denn zu durchdringen. Aber auch ein Essayist
der Gegenwart wird sein Beobachtungsgebiet nicht
auf alles ausdehnen. Auch von ihm wollen wir
multum-non multa. Bredt
Mappe der Deutschen Gesellschaft für
christliche Kunst 1902. Zwölf Foliotafeln in
Kupferdruck, Phototypie und Zinkographie nebst
LUDWI G RICHTER
Farbige Federzeichnung
TITELBLATT ZU EINER FOLGE
VON HANDZEICHNUNGEN (1867)
Eigent.: Herr Ed. Cichorius in Leipzig
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