Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 7. Band.1903
Seite: 582
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_07_1903/0642
-b-S^> KUNSTLITERATUR

zweiundzwanzig Abbildungen im Text. Mit Begleitwort
von S. Staudhammer.

Wir haben die zehnte Jahres-Publikation der
Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst vor
uns, welche gegen die erste aus dem Jahre 1893
einen ansehnlichen äußeren Zuwachs aufweist, inhaltlich
aber unter allen die weitaus schwächste ist.
Eine wahrhaft große Kunst repräsentiert allein Leo
Sambergers »Jeremias«, der wohl das beste aller
bisherigen Blätter darstellt. Von den Mitgliedern
der Gesellschaft wird es nun abhängen, ob sie solch
monumentale Schöpfungen wünschen oder eine
schwächliche, zahme und schematische, wie viele
der übrigen in sich schliessen. Tatsache ist, daß
die früheren Propheten des gleichen Meisters noch
in dessen Atelier hängen. Das legt eine wichtige
Frage nahe: inwieweit wirken Text und Bild dieser
Jahresmappe kunsterziehlich auf das katholische
Volk und den Klerus? Ferner: empfiehlt es sich,
um jeden Preis eine Mappe zu veröffentlichen? Oder
wäre es nicht geratener, in Jahren mangelhafter Einsendungen
die Mitglieder durch anderes zu entschädigen
, etwa durch Reproduktionen schöner, alter
Kunstblätter mit erläuterndem Text? — Schmitz und
Hauberrisser erweisen sich wieder als tüchtige

LUDWIG RICHTER SCHNEEWITTCHEN (1869)

Zu „Gesammeltes." Braun und farbig getönte Federzeichnung
Eigent.: Kgl. Nationalgalerie in Berlin

Architekten; eine Monstranz des letzteren, unter
Beihilfe von Köpf und Ortmann wirkt geradezu
graziös. Ein liebenswürdiges Talent offenbart
Hieronymi, der Steinle nachempfinden will. Im
Sinne der Beuroner, aber natürlicher und individueller
, schafft in stiller Feierlichkeit Fr. Kunz.
Nüttgens »Grablegung« erreicht nicht des vortrefflichen
Meisters gute Arbeiten. Heinr. Told und Veiter
sind eifrig bemühte jüngere Kräfte, die noch in den
Fesseln des Akademismus stecken, aber doch Gutes
für die Zukunft erhoffen lassen. Das letztere gilt
besonders von H. Schiestl und Winker, welche
wirklich Tüchtiges gebracht haben. Die Apostelmodelle
von Aug. Schädler gefallen mir beinahe
besser als die Originalarbeiten Waderes im Tym-
panon der Münchener St. Paulskirche; diese stehen
zu dicht beisammen und sind zu äußerlich erfaßt.
Des gleichen Künstlers Bischofsdenkmal im Dom
ist eine liebenswürdig pietätvolle Erinnerung an den
edlen Prälaten. Balth. Schmitts Reliefe lassen die
plastische Durchbildung doch allzusehr vermissen;
aber nicht aus Mangel an Können, sondern aus
einer Art Schrulle, welche Schmitt gerade zu dieser
verwaschenen Art greifen läßt, die nur scheinbar
charakteristisch ist. Die Blätter sind wieder tadellos
von Bruckmann reproduziert, so daß besonders
die Kupferdrucke hübschen Wandschmuck
bilden. Der Text ist gerade in
dem, was wir für das Wichtige halten,
dürftig ausgefallen; man darf es aber
dessen Autor nicht zu sehr anrechnen,
weil ihm wohl vielfach die richtige Stimmungsunterlage
fehlte. Dagegen ist sein
»Rückblick« kunst- und kulturgeschichtlich
interessant und wertvoll. Möge das
zweite Dezennium für die strebsame Gesellschaft
ein recht erfolgreiches werden,
hinsichtlich neuer Künstlernamen und
bedeutender Werke! Noch hat die Kunst
lange nicht die Fabrikation überwunden,
gegen die sich gerade jene Genossenschaft
hochstehender Künslter und Laien geeinigt
hat. pP.

Richard Muther. »Geschichte der
englischen Malerei.« (Berlin 1903,
S. Fischers Verlag, Preis M. 12.50, gebd.
M. 14.50.)

Bekanntlich vertritt Muther in seiner
»Geschichte der Malerei des neunzehnten
Jahrhunderts« die auch von Helferich und
Gurlitt aufgestellte Ansicht, daß die Wiege
der modernen Kunst in England gestanden
habe. Nachdem er die Glasgower Ausstellung
von 1901 gesehen, scheint ihm
diese Theorie nicht mehr haltbar, und
freimütig, wie er oft schon Irrtümer bekannt
hat, macht er auch jetzt kein Hehl
daraus, daß mangelnde Kenntnis des
Materials ihn damals veranlaßt hätte, die
englische Malerei schöner und reicher zu
schildern als sie in Wirklichkeit sei. Und
mit einer gewissen Resignation erklärt
er, der phantasievollste aller Geschichtsschreiber
, daß dieser Malerei der logische
Zusammenhang fehle, daß ein architektonisches
Kunstwerk, eine organische Geschichtskonstruktion
sich aus den zerstreuten
Baublöcken nicht aufrichten lasse.
Umso lebhafter betont er die eigenartige
Sonderstellung der englischen Malerei
innerhalb der europäischen Kunst und
sucht, gestützt auf eine Kenntnis des

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