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DAS KUNSTGEWERBE
AUF DER DÜSSELDORFER KUNSTAUSSTELLUNG
Von Erich Haenel
Die Jahrhundertwende, deren Schatten heute
noch nicht ganz verblaßt sind, bot eine
schickliche Gelegenheit, sich einmal aus der
Sturmflut unserer jungen künstlerischen Entwicklung
auf den sicheren Fels einer gesammelten
historischen Umschau zu retten.
Es möchte scheinen, als ob das Schaffen der
Künstler selbst unter den
kritischen Augen der Mitwelt
, die sich der Bedeutung
des Momentes in hohem
Grade bewußt war, einen
Stillstand erfahren habe. Der
Rückblicke waren zu viele,
als daß nicht, vielleicht aus
Unlust über die Schulmeistermiene
der neubackenen
Historia des 19. Jahrhunderts
, die Kunst des
neuen Säculums einen unproduktiven
Zug angenommen
hätte.
Die angewandte Kunst
allein schien hier eine Ausnahme
machen zu wollen.
Darmstadt bedeutete für
viele die Stadt der Verheißung
, von wo aus das
Reich einer neuen wahrhaft
lebensvollen, künstlerischen
Gesamtkultur gegründet
werden könne. Ein
Dokument deutscher Kunst
nannte man, was da geschaffen
war. Ebensowenig
aber fehlte es an Leuten,
die in den neuen Göttern
nur hohle Götzen, Ausgeburten
einer unreifen und
selbstbewußten Manier, in
ihren Anhängern falsche
Propheten oder geblendete
Toren sahen. Noch ist kein
Jahr verstrichen, und wieder
tritt das deutsche Kunstgewerbe
mit einer umfassenden
Leistung in die
Schranken. Im Wettkampf
der Nationen, jenseits der
Alpen, wird ihm vielleicht
nicht der neidlos anerkannte Sieg, aber sicher
der Triumph werden, daß es, ehemals ein
Sklave fremder Einflüsse, jetzt fest auf eigenen
Füßen zu stehen vermag.
Das stolze Wort, das im Jahre 1901 die
kleine Residenz an der Bergstraße auf das
Banner ihrer Ausstellung schrieb, klingt in
zierbrunnen « entworfen von josef hoffmann « ausgeführt
von fr. otto schmid. wien « bronzefiguren von richard
luksch « sockelreliefs von elena luksch-macowsky « « « «
Dekorative Kunst. VI. i. Oktober 1902.
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