http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_08_1903/0040
DAS KUNSTGEWERBE AUF DER
in Düsseldorf ein falsches Bild von dem erhält
, was die gewerblichen Künste heute in
Deutschland zu leisten vermögen. Dazu
kommt, daß der Raum, in dem die erste
Kraft der modernen deutschen Gebrauchskunst
, die Münchener Vereinigten Werkstätten
für Kunst im Handwerk, ihre Schätze auslegt,
so klein ist, daß in dem gehäuften Gewirr
von Gegenständen aller Art eine ruhige Betrachtung
des Einzelnen geradezu zur Unmöglichkeit
gemacht wird, - ■ wofür übrigens
auch der berüchtigte Absperrungsstrick redlich
sorgt. Danach ist es kaum mehr verwunderlich
, wenn sich das Interesse vor allem auf
die vier Räume der Wiener konzentriert.
In dem Oktogon, das der Künstlerbund
Hagen in dem äußersten nordöstlichen Winkel
des Baues eingerichtet hat (Abb. S. 31), sammelt
STANDUHR « ENTWORFEN VON JOSEF HOFFMANN
AUSGEFÜHRT VON ANTON POSPICHIL, WIEN • « «
WANDTEPPICH « ENTWORFEN VON ALFRED ROLLER
GEWEBT VON LEOPOLDINE GUTTMANN, WIEN c « «
sich zu allen Zeiten eine staunende Menge.
Wirklich hat der Raum, mit dem runden Oberlicht
, den glatten dünnen Ahornsäulen und
schweren intarsierten Möbeln, eine Schöpfung
Josef Urban's, schon als solcher einen spezifischen
Reiz: die uns ungewohnte Raumidee, die
Geschlossenheit der Komposition, die diskrete
Färbung, eine Harmonie aus Grau, Silber,
trübem Schwefelgelb und Mattblau, das alles
vereinigt sich zu einem Gesamteffekt von
unleugbarer Vornehmheit. Das Konstruktive
spricht dabei in seltener Klarheit mit; die
Kapitellscheiben der schlanken Säulen, denen
am Schaft eine zarte lotosartige Anschwellung
vorausgeht, beruhigen uns über die Stabilität
des zarten Gebildes, der matte Glanz der
versilberten Bronze leitet die schmucklose
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