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DÜSSELDORFER KUNSTAUSSTELLUNG
Straffheit der tragenden Glieder aufs natürlichste
in die Horizontale über. Schade, daß
die Gemälde auf den applizierten Seiden-
Panneaux koloristisch meist so sehr aus der
gedämpften Kühle des Raumes herausfallen.
Wozu überhaupt noch Bilder, wo doch der
kostbare Stoff der Wandbekleidung das Bedürfnis
nach Schmuck ausreichend erfüllt
und auch in seiner Ornamentik von Möbeln,
Teppich und Decke gar nicht zu trennen ist?
Mir scheint, man vergißt bei den neueren
Zimmerausstattungen nur zu oft, daß ein
Gemälde als Schmuck nur da am Platze ist,
wo es als farbige Fläche organisch der Wand
eingegliedert wird, durch Hineinziehung des
Rahmens in das Getäfel, wenn der Zusammenhang
nicht durch den dekorativen Stil des
Gemäldes von selbst gegeben ist.
Wird in Urban's Zimmer etwa der maßvolle
Geist eines Antichambres im Schlosse eines
Aristokraten vom Wiener Kongreß lebendig, so
lädt Leopold Bauer's Teezimmer (Abb. S. 33,
38 u. 39) zum kräftigen Genuß der fortschrittsfrohen
Gegenwart mit tönendem Rufe ein.
Wir sind gewohnt, uns bei dem Worte Tee
zwar nicht in das chinesische Raumbild, da
wir dies nicht genügend kennen, wohl aber
in das japanische zu versetzen: leichte
Matten am Boden, niedrige Bambusmöbel,
vielleicht an der Wand das Kakemono, das
SALONSCHRÄNKCHEN « ENTWORFEN UND AUSGEFÜHRT VON FRANZ SUMETSBERGER, WIEN
STANDUHR ENTWORFEN VON JOSEF HOFFMANN « AUSGEFÜHRT VON W. MÜLLER, WIEN « «
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