Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 32
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-sj-^> DAS KUNSTGEWERBE AUF DER

JOSEF HOFFMANN « WANDNISCHE MIT VASEN

Die bekannte Note des Wiener Dekorationsstiles
, die Verquickung klarer konstruktiver
Grundtendenzen mit einem oft seltsam archaistisch
anmutenden Formengeschmack und
stets aufs raffinierteste durchgebildeten Sinn
für gedämpfte farbige Neuschöpfungen, äußert
sich in dem Gerüst, mit dem Josef Hoffmann
die drei übrigen Räume der Secession
dekorativ ausgestaltet hat (Abb. S. 27). Seine
Motive sind im wesentlichen eine glatte weiße
Holzsäule, die vor einem dunkeln, ebenfalls
hölzernen Pilaster steht, mit vergoldetem
Fuß, der die Form einer umgedrehten Schale
hat. Ueber den Türen ragen breite Bordbretter
in den Raum hinein. In dem einen
Zimmer sind in die Fläche des rauhen Bewurfs
in regelmäßigen Abständen dunkelgrüne
Käfer und Schmetterlinge aus glasiertem
Ton eingelassen: eine zierliche Idee,
die sich für eine provisorische Dekoration
vorzüglich eignet (Abb. S. 29). In solchem
Rahmen, dessen Werte in der Anmut des
Struktiven und der Pikanterie der farbigen
Gegensätze ruhen, entfalten die Möbel vor

allem ungehemmt ihre Eigenart. Koloman
Moser, Emil Holzinger und Wilhelm
Schmidt, daneben Josef Hoffmann selbst,
besonders mit einem Bücherschrank aus
Palisander mit Alpakaeinlagen, scheinen dem
Ziele zuzustreben, dem kostbarsten Material
durch eine manchmal gesucht einfache Form
künstlerische Seele zu verleihen. Die gerade
Linie, der rechte Winkel herrschen; Säulen,
auch in Bündeln, wachsen aus einem simplen
Würfel hervor, von einer schmalen Nische
eingeschlossen; jedes Relief fehlt, die Intarsia
lebt wieder auf. Mir ist diese Schwenkung
zur Schlichheit etwas verdächtig. Der Purismus
hat gerade in Wien nie allzuviel Jünger
gefunden. Nun sehe man einen Tafelaufsatz
wie den der Baronesse Falke: er könnte in
Sieglindes Speicher neben dem Trinkhorn
stehen. Und daneben findet man wieder
Schmucksachen, wie die W. Hampel's, von
einer so entzückenden Grazie und Sinnlichkeit
, daß ein menschliches Wesen sie kaum
zu tragen würdig erscheint. Daß Toorop
an der Donau angebetet wird, lehren wieder

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