Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 85
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-*=4sö> ENGLISCHE LANDHÄUSER

J. W. BEDFORD UND S. D. KITSON, LEEDS « LANDHAUS WEETWOOD CROFT, SEITENFRONT

(man muß leider zugestehen, daß es zumeist
geschieht) ist nur eine neue Art von jenem,
in den Kunstirrtümern des neunzehnten Jahrhunderts
sich so drastisch zeigendem Ungeschick
, die künstlerischen Dinge an der
falschen Seite anzufassen.

In der schlichten Sachlichkeit liegt heute
das Moderne und Vorbildliche des englischen
Hauses. Formal sieht in England niemand eine
Veranlassung vorliegen, die alten heimischen
Baumotive zu gunsten etwa „neuer Formen"
zu vermeiden, im Gegenteil, die ganze, jetzt
beinahe 40 Jahre alte Bewegung ging von Anbeginn
darauf aus, die heimischen Formen
wieder hervorzusuchen und anzuwenden. Man
war damals zu lange mit törichten Stilfexereien,
in denen das ganze Lager der Architekten
befangen war, geödet worden. Man wollte
vor allem keinen „Stil" mehr, weder einen
von der alten Musterkarte, noch einen ad hoc
erfundenen neuen, man fand das alte vererbte
Bauernhaus, das traditionelle kleine Bürgerhaus
, wie es bis zum Ende des achtzehnten
Jahrhunderts gebaut worden war, gut genug,

ja man fand es, nachdem einmal der Sinn
darauf gelenkt worden war, nachdem man es
wieder sah und mit den Augen der Schönheit
erkannte, entzückend und so prachtvoll ruhig,
einfach und sachlich, daß man sich gar nichts
besseres wünschen konnte. Mit diesem großen
Wendepunkte im Geschmack des englischen
Publikums beginnt die Geschichte des
modernen englischen Hauses. Auch hierin
ist England dem Kontinent um 30Jahre vorausgeeilt
. Das Erkennen der Schönheit des
älteren Kleinbürgerhauses, des Bauernhauses
einfachster Fassung, der Dorfstraße ist bei
uns allerneuesten Datums und noch keineswegs
Allgemeingut. Möchte es bald solches
werden und in dem dadurch hervorgerufenen
Läuterungsprozeß des Geschmackes vor allem
den Stilwust beseitigen helfen, in dem wir
noch tief befangen sind, und dem auch
das wird immer klarer — unsere sogenannte
neue Kunst wieder mit Haut und Haaren
verfallen ist.

Das Streben nach Einfachheit und Sachlichkeit
hat seit den vierzig Jahren, welche die

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