http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_08_1903/0126
-^^> DIE NORDISCHE KUNSTAUSSTELLUNG IN KREFELD <^=^
die Unterglasurtechnik mit den farbigen, geflossenen
Glasuren zu verbinden. Eine Vase
war mit einer neuartigen roten Glasur, dem
sogenannten „rouge d'enfer" überzogen, einer
Farbe, deren Herstellung erst nach vielen
Anstrengungen gelungen ist.
Der älteren Genossin ist die Fabrik von
Bing & Gröndahl würdig an die Seite getreten
. Nachdem sie ebenfalls seit langer
Zeit die Dekoration mit Unterglasurfarben
gepflegt hat, ist ihre Produktion durch den
LEDER EIN BAND « ENTWORFEN UND AUSGEFÜHRT
VON ANKER KYSTER, KOPENHAGEN
anregenden Einfluß des Malers J.Willumsen
seit etwa zwei Jahren in ein neues Stadium
getreten. Man kann ihre Erzeugnisse nicht
mehr mit denen der Königlichen Fabrik verwechseln
; Bing & Gröndahl verfügen jetzt
über einen eigenen Stil, in welchem das
plastische Moment eine wichtige Rolle spielt,
ohne daß darum die farbigen Qualitäten vernachlässigt
würden. Wir sahen Vasen und
Aschenurnen von monumentalen, bisweilen
etwas schweren, dem Material nicht ganz entsprechenden
Formen und mit einem Dekor,
der in Linienführung und in seinen ernsten
Farben durchaus neuartig ist.
Von ungemeiner Lebenswahrheit sind die
meist weiß gehaltenen oder nur mit wenigen
Farben leicht getönten Tierfiguren, in denen
die plastische Richtung der Fabrikation am
entschiedensten und vorteilhaftesten zum Ausdruck
kommt. Ein wie hoher Grad der Charakteristik
in diesen Figuren erreicht wird,
läßt sich an unserer Wiedergabe des Falken
und der Eule, die beide von J. Dahl-Jensen
modelliert sind, erkennen (Abb. S. 117). In
einzelnen Fällen hat die Leitung der Fabrik
auch befriedigende Resultate mit der Herstellung
lebensgroßer Bildnisbüsten erreicht.
In der Ausstellung befand sich eine Mädchenbüste
von Siegfried Wagner, deren Ausdruck
und Formengebung in der weißglasierten
Masse voll zur Geltung kam. Sie wurde für
die Sammlungen des Krefelder Museums erworben
.
Neben den Porzellanen zeichneten sich
vor allem die Silberarbeiten des Hofjuweliers
Michelsen durch vorzügliche Technik und
originelle, von Künstlern entworfene Formen
114
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_08_1903/0126