Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 134
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-s?4^> DIE DEKORATIVE KUNST IN FINNLAND <ösM?-

HAUS DER NYLÄNDISCHEN STUDENTENKORPORATION IN HELSINGFORS
ERBAUT VON DEM ARCHITEKTEN K. HAARD AF SEGERSTAD ««««««

Volkskunst, als in der modernen internationalen
Stilentwicklung gesucht. Bei den
jüngeren Künstlerkreisen hat sie eine rege
Teilnahme, im Publikum, wie überall, eine
große Aufmerksamkeit - - hier Bewunderung,
dort Verdammung - hervorgerufen und in
der Kunstübung um so schneller den Sieg
über das Veraltete und Ausgelebte erfochten,
als sie in Finnland keine geheiligten Ueber-
lieferungen zu bekämpfen hatte. Dabei kam
die dekorative Neigung der modernen Kunst
überhaupt diesen Bestrebungen zu statten.
An ihren Grenzen flössen die beiden Kunstarten
in einander über.

Unter den Vertretern dieser Richtung hat
sich der finnländische Bildhauer Ville Vall-
gren in der Kunstwelt einen Namen gemacht
. Mit einer nordischen Gefühlsinnigkeit
verbindet er die Raffiniertheit der parisischen
Eleganz. Schon früh zeigte er eine
ausgeprägte Begabung für die kleine Skulptur,
und diesem Wege weiter folgend, gelangte er
zu dem Punkte, wo Kunst und Kunstgewerbe
sich begegnen. Im Anfang der neunziger

Jahre begann er jene Bronzeflaschen zu
formen, auf welchen kauernde weibliche
Figuren ihre durch den Körper zuckende
Trauer in Tränen ergießen. Nachher trat
er aber der rein dekorativen Kunst noch
näher in einer Reihe von Werken, wo ebenso
reizende weibliche Geschöpfe, nackt oder in
fließenden Gewändern, bald froh genießend,
bald aufgelöst in Schmerz, ihr sensitives
Traumleben als Schwestern der Blumen nur
in Wesensgemeinschaft mit diesen zu besitzen
scheinen. In dem Formengefühl des eminent
modernen Bildhauers zittert die Seele eines
Naturdichters. Die Gebrauchsgegenstände
des vornehmen Luxus, wie steinerne Kamine
und Kronleuchter, Tischaufsätze, Fruchtschalen
u. s. w. aus verschiedenen Metallen
in duftiger Patinierung verwandelt er zu
Trägern seines lyrischen Symbolismus.

Seinem Beispiele folgend haben sich auch
andere finnländische Bildhauer der jüngeren
Generation, wie V. Malmberg und E. Halonen,
gelegentlich und mit Erfolg auf dem Gebiete
der halb kunstgewerblichen Kleinskulptur

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