Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 136
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-=^=^> DIE DEKORATIVE KUNST IN FINNLAND

SAAL IN DEM STUDENTENHAUS IN HELSINGFORS « ERBAUT VON DEN ARCHITEKTEN LINDAHL & THOME

versucht. (Abb. S. 157.) Dem Meister nahe
kommt seine Gattin, Antoinette Vallgren,
eine geborene Schwedin, in ihren Ledereinbänden
mit ebenfalls vielfarbig patinierten
Reliefs.

Seit mehr als zwanzig Jahren als Weltbürger
in Paris lebend, hat Vallgren die nähere
Fühlung mit der heimischen Kunst so ziemlich
verloren. Inzwischen hat sich aber in
Finnland eine junge Kunst entwickelt, welche
sich zwar keineswegs fremdländischen Einflüssen
entzieht, zugleich aber auch ihre Eigenart
behauptet. Je mehr die politische Existenz
des Volkes gefährdet wird, um so mehr scheint
sich die finnländische Kunst ihrer nationalen
Mission bewußt zu werden.

Von Hause aus mit einer seltenen Malerbegabung
ausgerüstet, kühn, selbstbewußt und
hochstrebend, hat Axel Gallen die Phasen
eines rückhaltslosen Naturalismus und eines
forcierten Symbolismus durchlaufen, um zu
der dekorativen Malerei im eigentlichen Sinne
zu gelangen. In den Kuppelfresken des finn-
ländischen Pavillons auf der Pariser Weltausstellung
— leider nur in den Originalaquarellen

bewahrt(Abb.s.III.Jahrg.H. 1 l,S.462u.463)-
und in einem großen Wandbilde des Studentenhauses
in Helsingfors gibt er den vorgeschichtlichen
Ereignissen des altfinnischen Nationalepos
„Kaiewala" mit der Machtvollkommenheit
seiner romantisch angelegten Phantasie eine
überaus originelle Gestaltung. Die lyrische
Weichheit und Verschwommenheit Vallgren's
ersetzt er durch die rohe Kraft der Urzeit.
„Schöne Seelen" wenden wohl gerne seinen
Bildern den Rücken, diejenigen aber, welche
von der Kunst leidenschaftliches Feuer verlangen
, bringen seiner genialen Begeisterung
das richtige Verständnis entgegen und verzeihen
ihm auch manche genialisierende Extravaganzen
. Daß wir in diesem Zusammenhange
ihnen einige Aufmerksamkeit widmen,
erklärt sich aus ihrer rein dekorativen Behandlung
: der stilisierenden Vereinfachung
der Formengebung und einer Farbenwahl,
welche sich mehr nach der beabsichtigten
Totalwirkung, als nach den Grundsätzen einer
wirklichkeitstreuen Naturwiedergabe richtet.
Zuletzt hat er die Kuppel einer Grabkapelle
in Björneborg mit einheimischen, stilisierten

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