Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 161
(PDF, 122 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_08_1903/0179
erich, fritz und gertrud kleinhempel « kinderspielzeug « ausgeführt
von den werkstätten für deutschen hausrat, th. müller, dresden « « «

NEUE WOHNUNGSEINRICHTUNGEN

AUSSTELLUNG DER WERKSTÄTTEN FÜR DEUTSCHEN HAUSRAT
THEOPHIL MÜLLER, DRESDEN-STRIESEN

Von Erich Haenel

Die erste Periode einer neuen Kunstbewegung
, die jetzt hinter uns liegt, steht
nicht nur unter dem Zeichen eines zuweilen
geradezu unbändigen Individualismus, sondern
auch unter dem eines fast wissenschaftlich
zu nennenden Strebens, die Fundamente der
jungen Herrschaft auch theoretisch festzu-
gründen und auszubauen. Soweit ein Vergleich
den Zustand heller beleuchten kann,
mag die Erinnerung an die Frühzeit des
Quattrocento, an die ringende Forschertätigkeit
der Uccello und Castagno sogar die
Formel Renaissance der um den Ausdruck
der Persönlichkeit kämpfenden Gegenwart
zugestehen. Sicher entspricht der weitere
Verlauf bei uns auch der Entwicklung, die
sich damals vollzog. Traten dort schon nach
kurzer Zeit neben die „Eclaireurs" die „Profiteurs
", so sind wir heute Zeuge, wie nach
dem Herbst erlesener und seltsamer Früchte,
den die ersten Sonnen reiften, eine Fülle
kräftiger Triebe und duftender Blüten die
eben noch so dürren Zweige bedeckt.

Auf den Widerspruch der subjektivistischen
Arbeiten und gewisser sozialer oder wenigstens
universalistischer Programmsätze der
angesehensten Pfadfinder ist schon oft hingewiesen
worden. Daß ein Neues wie das
Gefundene nicht sofort in die Breite wirken
konnte, wird jedermann leicht verstehen.
Aber im Zeitalter der künstlerischen Volkserziehung
muß der Wunsch auf Einsicht und
Gehör rechnen, es möchte auch den minder
Bemittelten der Weg zu den Quellen der

neuen Schönheit erschlossen werden. Der
Ausstellungskunst, die für das Sensationsbedürfnis
der Masse, vom geschäftlichen
Standpunkt aus für den begüterten Aestheten
oder den der Mode huldigenden Millionär
arbeitet, ist man heute herzlich müde. Diese
Kunst, an deren Wurzeln das Herzblut großer
Meister haftet, geht dem Schicksal entgegen,
eine Treibhausblüte zu werden, ein Luxus,
dessen Demokratisierung man bespöttelt, wenn
nicht zur rechten Zeit ein frischer Luftzug
ihren Samen in das lockere und bedürftige
Erdreich des populären Empfindens trägt.

In Dresden, dessen „Werkstätten für Handwerkskunst
" den Kampf der letzten Jahre
wacker mitgefochten haben, hat jetzt Herr
Theophil Müller den Versuch unternommen,
Möbel und ganze Einrichtungen solcher Art
herzustellen, daß weder die Kapitalkraft eines
Kommerzienrates, noch der verfeinerte und
verwöhnte Geschmack eines Radikalen oder
eines Decadents dazugehört, um ihrer wirklich
froh zu werden. Es sind da, um des
ersten Punktes näher zu gedenken, mehrere
Zimmer, deren gesamte Ausstattung kaum
1000 Mark kostet, so daß eine vollständige
Einrichtung eines kleinbürgerlichen Heimes,
d. h. Wohn- und Schlafzimmer, Vorsaal und
Küche ungefähr für 3000 Mark zu erhalten
ist — eine Summe, für die heute mancher
Kaufmann, mancher kleine Beamte der zur
Heirat gerüsteten Tochter eine Garnitur im
Muschel- oder Säulenstil, wohl gar in Altdeutsch
oder Tiroler Gotik ersteht. Man

Dekorative Kunst. VI. 5. Februar 1903.

161

21


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_08_1903/0179