Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 162
(PDF, 122 MB)
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^r^> WERKSTÄTTEN FÜR DEUTSCHEN HAUSRAT

AUGUST ENDELL « WOHNZIMMER * MÖBEL AUS DUNKELROT GEBEIZTEM KIEFERNHOLZ

vergesse dabei nicht, daß von der fabrikmäßigen
Herstellung, die den Einzelteil
hunderte von Malen produziert, bei diesen
Arbeiten ja immer noch keine Rede sein
kann. Für den künstlerischen Gehalt der
Möbel bürgt schon der Name ihrer Schöpfer.
August Endell, dessen oft bizarre, aber
phantasievolle submarine Ornamentik auch
an größeren Aufgaben, wie dem Wolzogen-
theater in Berlin, die Probe bestanden hat,
behandelt ein Wohnzimmer nach dem Leitmotiv
etwa eines abgestumpften Lindenblattes
(Abb. S. 162 u. 163). Am reinsten prägt sich
das in den Stühlen aus, deren kräftige Rückenpfosten
dem verheerendsten Gebrauch auch
wohl der gymnastikfrohen Schuljugend widerstehen
können. Ein ungeheuer bieder ausschauender
Lehnstuhl, auch die Schrankuhr
und das imposante dreiteilige, mit Kathedralglasfüllungen
ausgestattete Büffett variieren
weiter das Thema. Der Farbenzusammen-
klang ist kräftig genug: dunkelrot gebeiztes
Kiefernholz, die Bezüge in blaugrauem Velvet,

die Tapete blau mit schwarzem Friesornament.
Die Möbel sind bis auf die Stühle, an denen
ein bescheidenes grünes Streumuster auftritt,
in breiten und derben Flächen und Massen komponiert
. Das Schlafzimmer desselben Künstlers
atmet ähnlichen Geist heiterer Farbenfreude
und ungehinderter Nutzungsmöglichkeit (Abb.
S. 164 u. 165). Hier schlingt sich durch das
satte Grün der gebeizten Flächen ein rotes
Band, während das Pflänzlein der kupferfarbenen
Tapete in hellblauen Windungen emporstrebt
. Den Fußboden wie den Belag von
Waschtisch und Nachtkästchen bildet rotes
Linoleum; ein Ueberzug mit Bernsteinlack
macht alle Möbel unempfindlich gegen Wasser
und Staub. In dem Herrenzimmer scheint der
kupferfarbene Bezug eine etwas zu stumpfe Note
inmitten des leuchtenden Blau der Holzteile anzuschlagen
. Den Humor vertritt ein Lehnstuhl,
ein Typus behaglicher Standfestigkeit, der mit
herzlich geöffneten Armen zum Sitzen einlädt.
Aber warum sollte solcher Gast in unserm
Heim nicht gerade gern gesehen sein?

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