Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 179
(PDF, 122 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_08_1903/0197
-ü«4^> MODERNER SCHMUCK <^=^

M. VEVER « GOLDENER ANHÄNGER

zuläßt, während die elegante Interieur-Toilette
oder das abendliche Gesellschaftskleid meist
den Schmuck gar nicht entbehren können,
große Feste aber den reichen Glanz von
leuchtenden Steinen und Perlen unbedingt
fordern, so ergeben sich mannigfach abgestufte
Bedürfnisse, denen Rechnung getragen
werden muß. Doch lassen sie sich im großen
und ganzen in zwei Kategorien unterbringen:
in die des Tages- und die des Abendschmucke?,
oder wenn man lieber will: in Alltags- und
in Festes-Schmuck.

Die meisten täglich getragenen Schmuckstücke
, wie Gürtelschließen, Knöpfe, Breschen
, Uhr- und Muffketten, Hutnadeln und
Haarkämmchen, dienen zugleich praktischen
Zwecken. Die Frau bedarf ihrer, es ist nicht
bloßer Luxus, daß sie dieselben trägt, und
dies gibt sogar solchen Stücken fürs Auge
ihre Berechtigung, die relativ reich und
kostbar, die Zweckerfüllung mehr zum Vorwand
nehmen, als daß sie ihnen ernst ist.
— Bei all dem „Gebrauchschmuck" spielt
die Mode eine große Rolle, nicht nur für
das „wie", sondern auch für das „was".
Und wenn auch einzelnes, wie die Brosche
fast ausnahmelos unter allen Moden getragen
wurde, so wäre doch jedem, der sich in
irgendwelcher Form mit Entwerfen und Herstellen
von hübschem, einfachem Schmuck
für die Allgemeinheit befaßt, zu raten, dem
Augenblick abzulauschen, was er an Veränderungen
in der weiblichen Kleidung und
damit auch in den Schmuckbedürfnissen
bringt. Jetzt z. B. traten die Gürtelschließen
weitaus in den Vordergrund, weil es bei der
herrschenden Blusenmode kaum ein Kleid
ohne Bluse gab und keine Bluse ohne Gürtel.
Die lose getragenen Boleros erforderten häufig
einen Zusammenhalt über der Brust: so entstanden
ähnliche Schließen in kleinerer Ausgabe
, um auch für die nach rückwärts und
wieder nach vorne geschlungenen Halsbänder
gute Dienste zu leisten. Heute, wo van de
Velde und nach ihm manche andere, die
ehrliche Betonung des Kleidschlusses im
Gegensatz zur bisherigen Verbergung desselben
befürwortet haben, wird sicherlich
der Knopf in allen möglichen Varianten von
Größe, Form und Material seine Auferstehung
feiern. Und weshalb sollten ingeniöse
Köpfe nicht auch andere Verschlußarten
ersinnen, deren Klapp- oder Druck-,
Schließen- oder Hakenvorrichtungen zugleich
praktisch und schmückend wären und zu
mannigfachster neuer Formengebung Anlaß
schüfen? Aehnliches hätte der vorne am
Handgelenk jetzt so eng getragene Aermel
schon längst wünschenswert gemacht. Mit
dem gürtellosen, häufig den Hals freilassenden

MARCEL BING « ANHÄNGER: ORCHIDEE « AUSGEFÜHRT
VON L'ART NOUVEAU BING, PARIS «

179

23»


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_08_1903/0197