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^=4cö> DIE KODAK-LÄDEN GEORGE WALTON'S <§^~
GEORGE WALTON « BAUZAUN « DIE FIGUREN SIND AUFGEMALT
DER OBERE TEIL DES ZAUNES IST DURCHBROCHEN« « « « « «
ganz ausgedehnte Erfolge in dem Bestreben,
durch Kunst anzuziehen erzielt worden und
zwar auf einem Gebiete, das uns Deutschen
so sehr am Herzen liegt, im Kneipwesen.
In den Bier- und Weinlokalen ist in Deutschland
wohl das beste niedergelegt, was die
raumausstattende Kunst in den achtziger und
neunziger Jahren zu leisten im stände war. Sie
war hier zu einer Zeit zu Glänze entwickelt,
als an die bessere Gestaltung unserer Wohnungen
noch niemand dachte : eine treffliche
Charakteristik der Lebensgewohnheiten des
Deutschen. In England hat sich die Entwicklung
genau umgekehrt abgespielt. Hier
geschahen alle künstlerischen Vorgänge im
Hause, wobei sie sich in einer gewissen natürlichen
, von Sensation und künstlichem
Antrieb unbeeinflußten Weise entwickelten.
Von dem Bereich der Geschäftswelt hielt
sich die Kunst ganz und gar fern. Erst
ganz neuerdings ist hier ein Wandel eingetreten
, und zwar ganz hauptsächlich von
Schottland ausgehend, dessen künstlerische
Verhältnisse ja den kontinentalen überhaupt
so sehr viel mehr ähneln als den englischen.
In Glasgow sah man zuerst künstlerisch ausgestattete
Geschäftsräume und Cafes. In
dieser Beziehung wirkten die sogenannten
Teestuben (in Wirklichkeit sind es Restaurants
ohne Ausschank geistiger Getränke) der
Miss Cranston durchschlagend; sie gehören
noch heute zu den größten Sehenswürdigkeiten
Glasgows (Abb. s. III. Jahrg. Heft 4,
S. 138, und IV. Jahrg. Heft 5, S. 173 — 175).
Teils von Mackintosh, teils von George
Walton ausgestattet, verkörperten sie nicht
nur das beste, was Schottland, sondern was
ganz England in Bezug auf Innenkunst leistete.
Denn beide Künstler sind wohl unbestritten
die Führer der modernen britischen Innenkunst
, obgleich sie in ihrer Vaterstadt noch um
die primitivste Anerkennung ringen müssen.
Hat doch der dortige Künstlerklub, der die
breite Allgemeinheit der Künstlerschaft verkörpert
, beiden die Aufnahme in ihre Reihen
verweigert, womit er das instinktive Gefühl
ausgedrückt hat, daß beide Künstler auf einem
andern Niveau stehen, und womit ihnen unbewußt
die größte Ehrung erwiesen ist, die
sie bei ihrer Bewerbung um die Mitgliedschaft
erwarten konnten.
In den letzten Jahren hat George Walton
den Hauptteil seiner Kraft auf die Ausstattung
einer ganzen Reihe von Läden gerichtet,
in denen die Kodak-Gesellschaft ihre photographischen
Erzeugnisse dem Publikum vorführt
. In diesem Zweig der modernen Kultur,
der Photographie, die moderne Auffassung
der Geschäftsankündigung anzuwenden, das
war der glückliche und nach den bisherigen
Erfolgen unzweifelhaft fruchtbare Gedanke
der amerikanisch-kontinentalen Gesellschaft.
Sie wollte nicht durch schreiende Reklame,
sondern durch Entfaltung von Geschmack
wirken. Und sie konnte dazu keinen besseren
Berater finden als George Walton.
Dieser Künstler hat die Geschäfte in den
verschiedenen Stadtgegenden Londons, ferner
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