Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 226
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-^4^> KUNSTGEWERBEPOLITIK

wie der Staat sollte weiterhin nichts kaufen
und nichts herstellen lassen, was nicht den
Anforderungen einer wirklichen Qualitätsware
in jeder Beziehung entspricht. Er sollte
dafür sorgen, daß dem Publikum allüberall
nur die Gediegenheit entgegentritt, so daß
der Produzent einen wahren Abscheu bekommt
, Massenwaren herzustellen. Unter
der kaufenden Bevölkerung wird sich die

Wahrheit von der wirklich wertvollen Ware
nach und nach zweifellos siegreich bahnbrechen
. Beeinflussung des Publikums durch
Ausstellungen, Vorträge u. a. sind zwar noch
in weit höherem Maße geboten als bisher,
aber darüber können wir nicht im Zweifel
sein, daß die Hauptentscheidung in den Händen
der Unternehmer und nicht der Käufer
liegt. Hier muß mit allen Mitteln, auch
staatlichen, dafür gesorgt werden
, daß das Ziel der Qualitätsarbeit
seinem Wert nach von
den Unternehmern erkannt und
gewürdigt werde. Der Unternehmer
muß erkennen, daß
das Angebot hochwertiger
Waren der Anfang ist, von
dem eine Aenderung unserer
ganzen Produktionsweise abhängt
. Damit wird durchaus
nicht einem erhöhten Kapital-
profit das Wort geredet, sondern
im Gegenteil nur einer
Preissteigerung für den Fall
der Wertsteigerung. Das
moderne Kunstgewerbe ist auf
dem besten Wege, dieser Entwicklung
die Wege zu ebnen.
Darin muß es durch eine
weise Politik unterstützt werden
. Andere Länder, so z. B.
England, sind hierin weiter als
wir. Dort kauft man bewußt
nicht nur Gebrauchsgegenstände
, sondern Wertgegenstände
. Es ist wirtschaftlich
richtiger, gute Ware teuer, als
Schund für den halben Preis
zu erkaufen. Geben aber heute
Tausende von reichen Leuten
ihr Geld nicht höchst unklug
für wertlose Sachen aus, ohne
sich zu überlegen, wie lange
der erkaufte Plunder am Leben
bleibt? Eine Qualitätsindustrie
muß gute Arbeiter haben, das
bedeutet höheren Lohn, höhere
Bildung und Lebenshaltung für
einen guten Teil unserer breiten
Masse. Das ganze Volk
ist daran interessiert, und das
Kunstgewerbe weist den Weg.
Vorwärts denn, ihm nach!

GRABMAL « ENTWORFEN VON HERMANN OBRIST « AUSGEFÜHRT
VOM BETONWERK KÖPF & REINHARD IN MÜNCHEN

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