Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 242
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-*-Ssö> GRAPHISCHE ORNAMENTE

ALBERT KNAB « ENTWURF FÜR
EINEN KATALOG-UMSCHLAG «

Es ist bezeichnend für unseren Künstler, daß
er sich kaum einmal dazu verstanden hat,
eigene Schriften anzuwenden. Er überläßt
die Beschriftung dem Setzer — natürlich
nach seiner Anweisung ■ aber an den fragwürdigen
Versuchen, mit einer Schrift nach
eigenem Gefühl zu imponieren, hat er sich
kaum beteiligt. Im ganzen kommt auch wirklich
nicht viel dabei heraus - • vide Larisch.
Die besten Künstlerschriften sind immer diejenigen
, welche sich möglichst wenig von
dem Typus entfernen. Wenn wir als das
oberste Gesetz im Kunstgewerbe das Prinzip
der Zweckmäßigkeit anerkennen, so müssen
wir auch glauben, daß die Schrift allewege
dazu da ist, um gelesen zu werden, ihre
dekorative Wirkung steht in zweiter Linie.
Kann ich letztere nur auf Kosten der
ersteren erreichen, so ist mein Werk, kunstgewerblich
genommen, schlecht.
Diese mehr oder weniger bewußte
Ueberlegung zeigt, wie
logisch der Künstler vorgeht, und
gibt uns auch den Schlüssel zu
seiner Dekorationsweise. Auch
da geht er durchaus logisch vor.
Seine Aufgabe ist, in Verbindung
mit der Schrift, die Papierfläche
angenehm zu füllen, eine wohltuende
Abwechslung von lichten
und schattigen Flächen zu erzeugen
, deren Wirkung durch die
Farbe zu unterstützen. Jeder ablenkende
Gedanke wird vermieden,
wenn nicht besondere Veranlassung
dazu vorliegt, etwa ein pflanzliches
Motiv näher an die Realistik
heranzuführen, während es ihm
sonst nur wie eine ferne Erinnerung
erscheint. Aber auch dann
sucht er doch immer wieder die
aus den Pflanzenformen abgeleiteten
dekorativen Ideen als Hauptsache
zu behandeln. Man beachte
in dieser Hinsicht das reizvolle
Lesezeichen mit den kräftig und
echt graphisch stilisierten Rosen.
In solchen Stücken tritt des Künstlers
liebenswürdige Art besonders
zu Tage.

Sehen wir uns aber einmal die
einzelnen hier eingefügten Ornamente
näher an! Da ist zunächst
eine Umrahmung gebildet aus stilisierten
zackigen Blättern — etwa
des Löwenzahn — die sich aus
einem labyrinthischen Linienornament
wie aus ihrer Wurzel organisch
entwickeln. Ein solcher Wurzelzweig
umzieht als Linie das ganze Ornament
und hält sich so damit in organischer
Verbindung. Dann folgen zwei Blätter, die
als Dekoration eines Katalogumschlages anzusehen
sind. Die Schilder mit der rhythmisch
angeordneten Schrift sind von einer
Linienharmonie umzogen, an der wir wieder
diese organische Entwicklung beobachten.
Dieses natürliche Wachstum erzeugt eben
jenes aus Gesetz und Ordnung entstehende
Behagen. In anderer Variation finden wir
eine solche Musik der Linien in den beiden
folgenden Geschäfrsempfehlungen, die auf
einem schmalen Papierstreifchen gebannt sind
und etwa auch als Buchzeichen gedacht
werden könnten.

In breiteren Flächen bewegen sich die
folgenden Leisten, von denen sich die eine

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