Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 275
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_08_1903/0293
^s^> MOTIVE AUS ALTER KULTUR <^-^

schieben sich in das Ackerland und in die
Obstgärten und Weingelände hinein, Mietskasernen
und moderne Landhäuser stellen sich
anspruchsvoll neben schlichte alte Wohnbauten
und Bauerngehöfte; ziemlich regellos geht es
durcheinander, und dabei ist ein fortwährendes
Niederreißen und Neuaufbauen. Die Bauleute
, das sind die rechten Mauerschwalben;
beim ersten warmen Sonnenstrahl im Frühjahr
sind sie da, und lustig beginnt das Handwerk
. Aber nicht immer ist es erfreulich.
Steht da so ein altväterisches, behäbiges Vorstadthaus
. Ein Biedermeierwohnhaus. Gar
nicht symmetrisch sind die Fenster, anscheinend
willkürlich angeordnet, und doch
gesetzmäßig, nämlich von innen her bestimmt,
und dort angebracht, wo man sie just braucht.
Und dann diese sanften und ganz unregelmäßigen
Ausladungen der Fenster und der
Erker, die zumeist kleine Schindelverdach-
ungen tragen. Das Dach ist aufgestülpt wie
eine Großmutterhaube
,
die Dachluken
blinzeln

herab wie

freundliche
Menschenaugen
, und der
Schornstein,
der ist ganz
lustig anzusehen
. Wunderlich
gebildet
schiebt er

sich über
Nachbarsdächer
hinaus,
in die Wolken
hinein,
bläst seinen

Rauch den

freiziehenden
Winden
zu und guckt
in die Welt
wie ein Riesenhaupt
, wie
einAusschau-
ender. Das
ganze Haus
hat eine so

sprechende,
schier vermenschlichte
Physiognomie
. EineLau-
be ist vorne

angelegt, eine weinumsponnene Laube, darin
es sich schön sitzen läßt, später, wenn auf
dem Streif Erde vor der Laube längs der
Hauswand die Rosenstöcke duften. Jetzt, da
dieses geschrieben wird, ist die Hyazinthenzeit
, und die Töpfe stehen in den Fenstern.
Ein Silberscheitel mit einem weißen Häubchen
wird dahinter sichtbar. Grüß Gott, Frau
Mutter! Die Tage sind gezählt. Und wenn
ich wiederkomme, zur Rosenzeit, dann ist
vielleicht das Fensterbild verschwunden, und
vielleicht auch das freundliche Häuschen mit
der Laube, und an seiner Stelle steht ein
protziger Neubau, eine Zinskaserne, oder eine
Prachtvilla mit einem Stacheldrahtzaun. Auch
die Tore und Torbildungen erregen vielfach
Bewunderung. Aber der Blick, der darauf
fällt, dringt schon ins Innere und verleitet,
durch den Hausflur zu schreiten. Denn es
sieht oft recht seltsam aus, in den alten
Höfen. Daß die Großväter eine feine Kultur

WÄSCHE- U. KLEIDERSCHRANK AUS KIRSCHHOLZ « ENTWORFEN VON W. VON EECKERATH
AUSGEFÜHRT VON DEN WERKSTÄTTEN FÜR WOHNUNGSEINRICHTUNG, MÜNCHEN««««

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