Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 297
(PDF, 122 MB)
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^H=^> FRITZ SCHUMACHER <ös^

der Renaissance- oder Empirezeit
bescheidene Auferstehung
feiert, wird den Charakter
des natürlich Gewordenen
und organisch Feststehenden
nach keiner Richtung
hin beeinträchtigen
können.

Die Art, wie sich Schumacher
mit den Problemen
des Möbelbaus und des kunsthandwerklichen
Schaffens
überhaupt abgefunden hat,
spricht für seine gesunde
Auffassung der englischbelgischen
Anregungen und
zugleich für die gute Schule
des stets vom Gedanken an
das dauernd Wirksame geleiteten
Architekten. Seine
Möbel, das scheint einer
ihrer wesentlichsten Vorzüge
, gehen aufs feinste mit
der Wandfläche oder dem
Raumgebilde zusammen, die
ihnen zugewiesen sind, sie
fügen sich dem durch Farbe
und Beleuchtung bedingten
Stimmungskreis des Zimmers
mit beglückender Anspruchslosigkeit
ein. Schumacher
vermeidet durchaus
laute Accente, gewagte
Verbindungen neuartiger
Materialien oder „phantasievolle
" Schmuckelemente.
Dagegen hebt die gewissenhafteste
Werklichkeit der
Behandlung stets die Schönheiten
des Stoffes selbst zu lebhafter Wirkung
hervor, und dadurch entbehren die Stücke
selbst bei graziösestem Kontur, bei zartester
Profilierung niemals der vertrauenerweckenden
Standfestigkeit. Ein weises Sichbeschränken
auf das, was mit dem Material
im Rahmen des geforderten Zweckes ausdrückbar
ist, mag diesen Schöpfungen im
Gegensatz zu allerhand ausländischem Import
, wie er uns so oft als Muster neugeistigen
Formempfindens vorgeführt wird,
als Vorzug nationaler Charakterstärke besonders
vermerkt werden. Und schließlich:
diese Möbel sind keine Prunkstücke, die
mit dem Liebhaberwert einer Bronze, eines
Gemäldes konkurrieren möchten und der Schonung
und ängstlichen Bewunderung als erlauchte
Fremdlinge aus einer neuen Anschauungswelt
bedürften, sondern wackre Ge-

BUREAU-MÖBEL «AUSGEFÜHRT VON BERNHARD GÖBEL, FREIBERG i. S.

nossen und pflichttreue Helfer in allen Mühen
häuslichen Daseins. Hinter dem feinen Gewand
tragen sie eine Fülle liebenswürdigen
Komforts und unterstützen mit hundert nützlichen
Handgriffen die schaffende Eile des
Besitzers. Man muß ein Stück wie den stattlichen
Architektenschreibtisch (Abb. S. 295)
nur erst genau kennen, um der Anschmiegsamkeit
seiner Formen wie der raffinierten
Raumökonomie in Schubfächern, Bordbrettern,
Mappenständern u. s. w. dankbar ganz inne zu
werden. Gerade den Engländern, die uns ja
in der Erfindung zweckdienlicher Gebrauchsmöbel
stets voranzugehen pflegen, müßte
diese Selbstverständlichkeit praktischen Arbeitens
imponieren. Aber auch in unsern
Gauen, wo so manches neue Möbel die Kennzeichen
seiner papierenen Descendenz so
deutlich an der Stirn trägt, sollen diese

Dekorative Kunst. VI. S. Mai i

9°3-

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