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-s-4^> FRITZ SCHUMACHER -C^^
GIPSMODELL EINES GRABMALS IN BRESLAU « AUSGEFÜHRT VON ERNST HOTTENROTH, DRESDEN
ausgezeichneten Proben einer gesunden, im
edelsten Sinne bürgerlichen Gebrauchskunst
gerechte Würdigung finden.
Wer einmal so kräftig in das Reich der
neuen künstlerischen Begriffswelt vorgedrungen
war wie Schumacher, der durfte naturgemäß
als Schaffender an der Grenze der
einen Technik nicht Halt machen. So finden
wir heute in den verschiedensten Regionen
der Handwerkskunst Schöpfungen seiner Hand,
und mehr und mehr läutert sich seine persönliche
Formensprache zu einem festum-
rissenen Stil. Eine Standuhr, aus grauem
Ahornholz mit Silberbelag, hilft der gewählten
Anmut des Materials mit wenigen,
keimartig quellenden Formen zur Wirkung;
in der straff und knapp sich aufbauenden
Tischlampe rundet sich eine kleine Aschenschale
als willkommner Eindringling zwischen
den metallnen Trägern (Abb. S. 305). Eine
große Anzahl von Türbeschlägen, die der
Metallgießerei von Issleib & Bebel gehören,
verbinden mit sparsamem, wenn auch nicht
puritanischem Kontur die vollkommenste
Zweckdienlichkeit des konstruktiven Entwurfs
. Von Arbeiten aus dem Gebiete der
Textilkunst seien zwei Knüpfteppiche erwähnt
(Abb. S. 307), deren bewegliches Rankenmuster
sich diskret neben den Mitteltönen
der Grundfläche hervorhebt, während der
Rand von einem kräftigen Ton in breiter
Bordüre umzogen wird. Von den Schmucksachen
Schumachers darf merkwürdigerweise
die kürzlich hier formulierte Charakteristik
der Dresdener Schmuckarbeiten fast in
vollem Umfange gelten. Sie sind nicht Ausgeburten
einer exotischen Einbildungskraft,
die es den berückenden Reichtum des Festgewandes
einer Königin in einem einzigen,
märchenhaft üppigen Juwelenakkord hinauszujubeln
drängt, wie manche von Lalique's,
Fouquet's und Bonny's Arbeiten, sondern
geschaffen aus dem Wunsche heraus, dem,
was eine feinempfindende Frau im häuslichen
Leben des Alltags ihrem Gewände anheftet,
sinngemäße und reizvolle Form zu verleihen.
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