http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_08_1903/0334
^=^> TECHNIK ALS KUNST <^=^-
Muster gewebt, immer den Webe - Effekten
folgend und das Gewirr der Licht- und
Schattenstellen gewissermaßen mit dem Muster
systematisierend. Man hat das Gefühl, als
ob Materialwirkung und Technik organisch
das Muster hervorgebracht hätten. Die eigentliche
Kunst ist im Grunde nicht gar so
bedeutend, aber der Gesamteindruck ist
ein ganz künstlerischer, weil alle Eigenwirkungen
der Stoffe, alle technischen Varianten
wie artistische Absicht aussehen und
das Einzelne sich gegenseitig in der Wirkung
steigert.
Das ist erreicht, weil der Fabrikant die
ihm zu Gebote stehenden Kräfte alle derselben
Tendenz nach ausgenützt und einmal
versucht hat, die Maschine nicht gegen den
oder neben dem Zeichner, sondern mit ihm
arbeiten zu lassen. Man sieht, welch tüchtige
Erfolge zu erreichen sind, wenn der
künstlerisch empfindende Zeichner die Möglichkeiten
der Maschine genau kennt und
nicht Papierkunst, sondern technische Maschinenkunst
macht.
Darum ist dieses Beispiel, wenn es sich
auch nur um Krawattenstoffe handelt, wertvoll
für das ganze Kunstgewerbe. Was diese
Firma auf dem Gebiete der Weberei erreicht
hat, ist ebenso auf anderen Gebieten der
AUDIGER & MEYER, KREFELD * ECHARPE (GES. GESCH.)
AUDIGER & MEYER, KREFELD « ECHARPE (GES. GESCH.)
Kunstindustrie möglich. Es gehört nur das
Interesse und die künstlerische Bildung der
Fabrikanten und die verständige Erziehung
der Zeichner zur Praxis dazu. Das alles ist
wirklich keine Hexerei. Nur etwas Liebe
zur Sache, etwas Wagemut und vor allem
ein reifer Verstand: unter diesen Voraussetzungen
könnte unser Markt ein ganz verändertes
Aussehen gewinnen.
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Die ausgestellten Stoffe sind auch farbig
sehr gewählt. Man vermißt einige dunklere
Nuancen. Besonders glücklich sind die auf
Seite 319 abgebildeten Muster, in denen
Technik und Zeichnung ganz eines geworden
sind. Die einfarbigen Stoffe mit eingewebtem
Muster (Abb. S. 318 u. 320) lassen dagegen
die freie, malerische Haltung dadurch vermissen
, daß das Dessin zu sehr Selbstzweck
im Sinne der üblichen Papierkunst und auch
im Motiv zu gegenständlich ist.
Lebhaft sei darauf hingewiesen, daß es
wieder Dr. Deneken, der vortreffliche Direktor
des Krefelder Museums, ist, dem der
Fabrikant Anregung und Unterstützung verdankt
. k. sch.
Für die Redaktion verantwortlich: H. BRUCKMANN, München.
Verlagsanstalt F. Bruckmann A.-G. München, Nymphenburgerstr. 86. — Druck von Alphons Bruckmann, München.
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