Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 352
(PDF, 122 MB)
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-=^^> DAS EHESCHLIESZUNGSZIMMER IN DESSAU <^=^

schon während der Arbeit, ja noch Tage lang
nachher, heller werden. Auf diese Weise erhält
das Ganze leicht einen fleckigen Charakter, und

BERNHARD PANKOK FRESKO

dadurch wird die Form, jedenfalls die ruhige
Wirkung, die man von einer monumentalen
Wandmalerei fordert, beeinträchtigt. Es fehlt ja
auch hier nicht an eigentümlichen Schönheiten,

besonders bei den männlichen Figuren - - die
Empfindung für weibliche Schönheit geht dem
Künstler ab. — Die Silhouetten der Figuren
sind dekorativ gut in den Raum gestellt und
das auch koloristisch wohl gelungene Rendezvous
des Liebespaares beim Mondschein mit
dem diskret wegblickenden Amor (Abb. S. 352),
findet sogar den Beifall weiblicher Beschauer.
Aber im ganzen wird der Natur doch zuweilen
Gewalt angetan, und die dekorative
Schönheit der Silhouette kann nicht immer
für Unsicherheiten in der Proportion und
eine unklare Formgebung entschädigen.

Non omniapossumus omnes. Pankok's Ideal
ist eine Allkunst, bei welcher derselbe Künstler
die Architektur — auch den Außenbau — entwirft
, die Innenausstattung erfindet, die plastischen
Verzierungen selbst modelliert und
die Malereien der Wände selber malt. Ja,
wenn wir so vielseitige Genies die es
übrigens auch in der Renaissance nicht gegeben
hat nur hätten! Aber mit diesem
Irrtum steht er nicht allein. Wenige Stunden
nach dem Besuch in Dessau sah ich Klinger's
Beethoven in Leipzig. Sonderbar: Derselbe
Fall, nur umgekehrt. Eine hervorragende
bildnerische Kraft, die sich an dekorative Aufgaben
macht, denen sie nicht gewachsen ist,
ein „Gesamtkunstwerk", bei dem die eine
Kunst, statt umso mehr zur Wirkung zu
kommen, empfindlich durch die Nichtbe-
herrschung der anderen geschädigt wird.
Dann ging ich ein paar Schritte weiter und
sah eine Zeichnung Leibl's. „Stumpfsinnig,
geistlos" werden manche sagen. Ja, aber
künstlerisch wundervoll, in ihrer Einseitigkeit
von reinster und höchster Wirkung!
Wann werden unsere Künstler wieder lernen,
in der Beschränkung den Meister zu erkennen
?

LESEFRÜCHTE:

»Es ist den Menschen möglich, sich in Maschinen
zu verwandeln und ihre Arbeit aufs Niveau einer
Maschinenarbeit herabzusetzen, aber soweit sie als
Menschen arbeiten, die ihr Herz an das setzen,
was sie machen, verschlägt es wenig, daß sie schlechte
Arbeiter sind.«. j. Ruskin

»Man hat mich oft gefragt, was ich unter »moralischer
Kunst« verstände; jetzt ist der geeignete
Augenblick gekommen, daß ich diesen Ausdruck
näher erkläre und bestimme. — Ich sehe gern alles
das als moralisch an, was mit der Natur der Dinge
und den natürlichen Vorgängen im Einklang steht,
ich behaupte, daß alles in der Natur nach dem
Höhepunkt der Kraft, des Wohlbefindens und des
Glückes strebt, und alles, was hiervon abweicht,

nenne ich Unmoral.«. Henry van de Velde

Für die Redaktion verantwortlich: h. BRUCKMANN, München.
Verlagsanstalt F. Bruckmann A.-G., München, Nymphenburgerstr. 86. — Druck von Alphons Bruckmann, München.


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