Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 385
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-sr4^> METÄLLARBEITEN -(^^

durchhelfen kann. Außerdem schrieb er in
einer Zeit voller Hoffnungen. In wenigen
Jahren konnte sich die neue Bewegung alle Gebiete
erobert haben. Das geschah ja auch, aber
wie! Wir wissen jetzt, daß die billige Bronze-
schüssel mit dem Renaissance-Fräulein von
damals kein Haar schlechter war als die
heutigen Jugendstil-Arbeiten der Industrie.
Böse Träume sind die reinsten Lustgefühle
dagegen! Wirklich man könnte versucht sein,
das Problem der Maschinenkunst für abgetan
und aussichtslos zu halten. Scheffler verhält
sich sehr reserviert. „Die Kulturforderung
nach guter Maschinenkunst", sagt er,
„bedingt als Einleitung soziale Taten, die der
einzelne nur anbahnen, ein Volk nur langsam
vollbringen kann." Und weiter: „Nur solchen
Fabrikanten aber darf man diese Vorschläge
machen, die willens sind, ihr Vermögen der
Volkswohlfahrt zu opfern, die ihre Maschinensäle
zu Versuchen hergeben und ganz einer
edlen Kulturtendenz zu dienen unternehmen."
Was zunächst die „Sozialen Taten" anbelangt
; gewiß etwas muß schon dafür geschehen,
ein kleines Risiko ist immer dabei, wo aber
fände man einen Großindustriellen dazu nicht
bereit? „Langsam" kann ein Volk diese Taten
vollbringen. Es eilt ja nicht, nur möchte
man den Anfang sehen. Der zweite Satz
scheint uns die Sache gar zu tragisch vorzustellen
. Entweder übertreibt der Autor

JAN EISENLOEFFEL « PETROLEUMLAMPE
AUS MESSING ««««««

JAN EISENLOEFFEL « ENTWURF
FÜR EINE SILBERNE MENAGE «

hier der Deutlichkeit zuliebe, oder er rechnet
mit einer Art Maschinenkunst, der ich überhaupt
nicht das Wort reden möchte. Was
man von der Maschine erwarten kann, ist
freilich noch viel, aber sollte es nicht ohne
gar zu große Opfer von Seiten der Fabrikanten
zu erreichen sein? Ohne Preisausschreiben
für problematische Erfindungen, kurz ohne
daß dafür materiell große Aenderungen vorgenommen
würden, müßte es am Ende doch
gehen. Man kann und darf ja nur das ganz
Einfache verlangen. Warum das aber nicht
ebenso gut logisch und ordentlich, wie roh
und verzwickt sein könnte, ist nicht einzusehen
. Ein riesiges Arbeitsfeld liegt brach.
Die Formen existieren sämtlich schon, sie
brauchen gar nicht erst erfunden und ausgeklügelt
zu werden, insofern sie durch
langjährige Erfahrung bestimmt sind. Nur
der Hand eines Künstlers bedarf es, um
einzelnes im Modell zu ändern, vieles wegzulassen
. Es handelt sich häufig nur um
eine Schweifung weniger, um eine Gerade
mehr, um den Grad einer Krümmung oder
Abflachung eines Henkels an der weißen
Porzellantasse, um eine einzige Linie statt
des blöden Blumendruckes auf einem Teller
oder um die Wahl einer kräftigen statt einer
flauen Farbe. Man halte mir nicht entgegen,
gerade solche anscheinend geringe Modifikation
erfordere im Großbetrieb enorme Kosten.
Die Neuerungen werden ja doch eingeführt,
nur sind sie vielfach sinnlos, weil man an
maßgebender Stelle nicht einsieht, daß für

Dekorative Kunst. VI. 10. Juli 1903.

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