Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 387
(PDF, 122 MB)
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^=4sd> METALLARBEITEN <ö^-

JAN EISEN LOEFFEL

neben diesen Bestrebungen immer
offen bleiben wird. Wer hätte auch
dazu gerade die eigenartige Begabung
gehabt? Unter den ganz
Bekannten hat wenigstens keiner
sie gezeigt. Wem wäre es bis jetzt
recht gewesen, wenn sein herrlicher
Künstlername in der Fabrikzeichenstube
verschwände? Das
stand schon seit langer Zeit fest;
wenn irgend ein Volk nahe daran
war, eine Nutzkunst zu schaffen,
deren Hauptwert nicht im Persönlich
-Eigenartigen, sondern im Typisch
-Folgerichtigen gelegen ist,
dann konnte es nur das holländische
sein. Die Gruppe der holländischen
Nutzkünstler bindet einheitliches
Wollen, das ihre Arbeit von der
internationalen Mache unterscheidet: Sachlichkeit
, Betonen des Materials vermöge der
deutlich zutage tretenden Konstruktion, neben
äußerster Mäßigkeit und Strenge im Ornament.

Als man in Deutschland den Künstler, über
den ich in diesem Zusammenhang einige
Worte sagen möchte, kennen lernte, da hat
man ihn recht bald geschätzt. Ich glaube
aber doch mehr noch aus Uebersättigung mit
Exzentrizitäten als aus purer Geschmacksreinheit
, mehr aus nervösem Hang zu
prickelnden Gegensätzen als durch die tiefinnere
Empfindung, daß erst einmal das
nackte Ding an und für sich gut sein müsse,
bevor die Zeit des Schmückens gekommen
sei. Man verliebte sich damals in seine
Silbersachen. Es war pikant, diese rassigen
Schalen von kräftiger Metallwirkung, diese
streng-geometrischen Emailverzierungen in die
mit allem Raffinement der „Sehnsuchtslinie"
ausgestatteten Appartements einzuführen
. Sie wirkten darin wie
reife, pralle Aepfel auf der parfümierten
Samtdecke eines Toilettentisches
.

Man kann nicht sagen, daß es
Eisenlöffel damals oder heute
fern läge, solche Effekte mit Absicht
zu erzielen. Er ist sich der
Macht des Feierlich-Strengen vollkommen
bewußt, wie seine silbernen
Schüsseln mit Emailauflagen
am Rand, seine Bonbonschalen
und Jardinieren sogar beweisen
; aber er gehört nicht zu
den komplizierten Naturen, denen
die Periode feierlichen Ernstes nur
ein kurzes Durchgangsstadium bedeutet
. Er denkt sich auch gar

KAFFEESERVICE AUS NEUSILBER

nicht soviel Pathetisches bei seinen Vasen
und Leuchtern als ihm gelegentlich zugemutet
wurde. Manches in seinen Anschauungen wird
durch das allgemein-holländische Wesen erklärt
. Er hat das Bedürfnis, durchaus nicht
die Metallflächen zu schrulligen, papierdünnen
Fruchtkränzen und dergleichen auszubeuten,
sie mit dem beliebten Geriemsel der van de
velde'schen Peitschenschlaglinie zu überspinnen
, da sie doch an und für sich schon
so schön sind. Er ist nicht „einfach" aus
Caprice, sondern in seinem innersten Wesen.
Das Material muß zur vollen Geltung gelangen
. Er läßt den Hammerschlag stehen,
hält die Flächen groß. Dabei sind seine geschlagenen
Perlränder, seine gravierten Linien,
die schlichten Teilungen und symmetrischen
Durchbrüche oft von vollendeter Noblesse.
Wir sprechen jetzt von der schönen und
dankbarsten Seite seines Faches, von der
sorgfältig ausgefeilten Liebhaberarbeit. Unter

JAN EISENLOEFFEL

TEESERVICE AUS VERNICKELTEM MESSING

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