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-^^> JAN EISENLOEFFEL, AMSTERDAM <ö^~
allen Umständen wird er ihr treu bleiben;
aber vorläufig hat sich sein Hauptinteresse
einem andern Zweige zugewandt. Von Bonbonnieren
und Zuckerstreuern, vom emailliertsilbernen
Becher fürs erste Baby kam er zum
Gerät für den Tagesbedarf. Ganz von selbst
ging er bei Kaffeegeschirren, Kochapparaten,
Tintenfässern etc. vom Silber zum Kupfer,
Messing, Eisen, schließlich auch zu Neusilber
und Nickel über. Alles wurde durchprobiert,
und bei manchem ist etwas herausgekommen.
Reinlich und anziehend sehen die kleinen Service
-Gruppen auf ihrem glänzenden Tablett
aus. Behaglich leuchtet das glatte Metall, sei es
in feurigem Kupferrot, in gemütlich-holländisch
Hat man früher einmal eine Garnitur von
Eisenlöffel gesehen, so scheint eine zweite
auf den ersten Blick sehr ähnlich. Neben
einander gehalten ergeben sich erst die Fortschritte
, erkennt man ein solides Weiterbilden.
Wir sind gegenwärtig so rasch mit dem Machtwort
„phantasielos". Für den oben angedeuteten
Zweck wäre diese Art des „phantasielosen"
Schaffens recht wünschenswert. Gerade den
Versuchen in Neusilber muß man eine große
Bedeutung zumessen. Schön mag man das
silberähnliche und doch immer blechern wirkende
Material nicht heißen; aber es ist entschieden
billig und vor allem: es existiert
nun einmal und wird im Großbetrieb ausgiebig
JAN EISENLOEFFEL
JARDINIERE UND LEUCHTER AUS MESSING
wirkendem A'lessing oder in kühl distinguiertem
Silbergrau. Eigentlich ist ja nichts daran:
eine blinde Linie um den Rand gezogen, der
richtig berechnete Bogen des Kannenhenkels,
handliche Holzknäufe zum Abheben des erwärmten
Deckels, wohlgeformte Ausgüsse,
bei denen man nichts verschüttet. Man sollte
meinen, ältere Weisheit über dies Geschirr
ist gar nicht denkbar. Dennoch, wird man
zugeben müssen, sieht das Herkömmliche
ganz anders aus. Ein gewohntes Produkt der
offiziellen Neusilberindustrie daneben gestellt
verhält sich zu dieser Arbeit wie der Kellner
zum Aristokraten im Frack. Dabei ist der
ursprüngliche Typus successive fortgebildet.
verwendet. Man kann weder Christofle & Co.
noch irgend einen dieser großen Namen
ignorieren. Man kauft was sie bieten, weil
es nicht zu teuer ist und wir nichts anderes
haben. Gefällige oder gar vernünftige Formen
wird man selten unter der Ware finden. Das
liegt am Material, hieß es immer; mit dem
Zeug läßt sich nichts Anständiges gestalten.
Eisenlöffel hat sich daran gemacht, diesen
Irrtum zu widerlegen. Ein Wasserkessel nach
seinem Entwurf kostet heute, also pro Stück
hergestellt, schon nicht viel mehr als irgend
ähnliche sogenannte „bessere" Erzeugnisse im
Handel, hat aber Rasse und Ehrlichkeit.
Der zugehörige Spirituskocher zeigt statt der
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