Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 390
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PAUL BÜRCK, MAGDEBURG

ZIER LEISTE (1899)

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DIE AUSSTELLUNG
DIE PFLANZE IN IHRER DEKORATIVEN VERWERTUNG"
IM LEIPZIGER KUNSTGEWERBE-MUSEUM

In dem vielfältigen, problematischen Wesen
der modernen Kunst ist kein Zug so
charakteristisch als das Studium der Pflanzenwelt
zum Zwecke der Gewinnung neuartiger
Ornamente und Formen. Denn schien auch
vor wenigen Jahren das belgische Schnörkelornament
eine größere Bedeutung zu gewinnen,
so ist doch bald sein sehr relativer Wert erkannt
worden, und überall im internationalen
Kunstschaffen wird, natürlich mit nationalen
Nuancen, diese künstlerische Pflanzenanalyse
betrieben. Das zeigt sich in England, wo
seit Morris das Pflanzenstudium und Stilisierübungen
das wichtigste Unterrichtsfach auf
den Kunstgewerbeschulen bilden, ferner in
Frankreich, wo schon Vorjahren eine „Ausstellung
der Pflanze" von Falize organisiert
wurde, und auch bei uns in den lebhaften
Bestrebungen zahlreicher Künstler und Künstlerinnen
und öffentlichen und privaten Kunstschulen
.

Es war gewiß ein sehr zeitgemäßer und
ersprießlicher Gedanke der für den Fortschritt
im deutschen Kunstgewerbe unermüdlich
tätigen Direktion des Leipziger
Kunstgewerbe - Museums, alle
hervorragenden, auf dem Studium
der Pflanze beruhenden
Arbeiten zu einer großen Ausstellung
zusammenzufassen. Sie
wurde Ende Februar eröffnet,
dauerte bis zu den Ostertagen
und fand während der ganzen
Zeit lebhaftes Interesse bei
Fachleuten sowohl wie bei dem
Publikum, besonders bei Damen
, die ja für „neue Muster"
eine angeborene Leidenschaft
haben. Dank einer strengen

PAUL BURCK, MAGDEBURG
SCH LUSZVIGNETTE (1899)««

Jury, die Tausende von dilettantischen Arbeiten
ausgeschieden hatte, und dank einem
übersichtlichen und geschmackvollen Arrangement
konnte man die überraschend reiche
und interessante Auslese der besten Arbeiten
dieser Art von bekannten und auch von hier
zum ersten Male auftretenden Künstlern bequem
vergleichen und studieren. Es zeigte
sich sehr bald, daß die erste Gruppe der Ausstellung
, die malerisch ausgeführten Blumenstücke
, mehr als eine anmutige Zugabe empfunden
wurde, da sie nach der Seite der
Stilisierung nichts bot. Es ist eben ein
großer Unterschied zwischen einer auf malerische
Reize ausgehenden Naturwiedergabe
und einer detaillierenden, nach Formengesetzen
suchenden Auffassung für ornamentale
Zwecke.

Das rege Interesse der Fachleute kam erst
beider zweiten Abteilung, die das natural istische
Pflanzenornament in Studien, Entwürfen und
ausgeführten Arbeiten umfaßte, zum Ausdruck
. Selbstverständlich war diese erste
Stufe des Naturstudiums und der Naturwiedergabe
am reichsten ver-
^^^^^^^^ treten, da bei diesem Punkte alle
% einsetzen müssen. Aber auch
hier offenbarte sich dem geübten
Auge eine überraschende
Mannigfaltigkeit nicht nur in
den Techniken, sondern vor
allem in der Wahl der Objekte,
in der Intensität des Studiums
und in der geschmackvollen
Auffassung. Rose und Tulpe,
Efeu und wilder Wein, die
Lieblinge des alten naturalistischen
Stils, waren nur ganz vereinzelt
zu sehen, dafür aber

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