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-g*4sö> DIE PFLANZE IN IHRER
Stilisierung zu führen. Natürlich war zwischen
dieser und der vorhergehenden Gruppe keine
scharfe Unterscheidung möglich und gerade auf
dem Grenzgebiete, der Abwandlung der Naturformen
, der leichten Stilisierung, bewegten sich
zahlreiche feine Arbeiten. Dahin gehören, um
nur einige zu nennen, die in Formen und Farben
höchst pikanten und flächenhaft wie japanische
Holzschnitte gehaltenen aquarellierten Federzeichnungen
von Frau Beatrice Sluyterman
im Haag (Abb. S. 395). Etwas japanisch
sprachen auch die leicht
stilisierten Blätter von
Karl Oenike in Steglitz
an, welche die phantastischen
Reize der Waldrebe
in Verbindung mit
exotischen Schmetterlingen
und Käfern effektvoll
vorführen (siehe farbige
Beilage). Fest und
kernig in der Auffassung,
gründlich in der Naturbeobachtung
und geschmackvoll
in der Stilisierung
sind die Zeichnungen
von H. E. v. Berlepsch
- Valendas in
Maria-Eich bei Planegg
(Abb. S. 391), und viel von
diesen Vorzügen findet
man auch in den Entwürfen
seiner Schülerin
Margarete Schroedter
in München. Besonders
der junge Ahorntrieb,
eben entfaltelt und wie
vom Frühlingswinde gezaust
, möge als Probe
dafür dienen, wie viel
Stimmungund Phantasiewirkung
sich auch durch
eine leichtstilisierte Naturstudie
vermitteln läßt (Abb. S. 394). In allen
drei Gruppen war Frau Käthe Roman-
Foersterling in Karlsruhe mit musterhaften
Leistungen vertreten (Abb. S. 400); ferner
Laura Härlin-Höflich in Gauting (Abb.
S. 392), Max Bienert in Chemnitz, F. W.
Kleukens in Steglitz und C. Schlotke
in Barmen. Stilvolle Stickereien hatten Otto
Ubbelohde in Gossfelden (Abb. S. 399), Margarete
von Brauchitsch in München und
Margarete Pfaff in Chemnitz (Abb. S. 399)
gesandt, und auf dem besonderen Gebiete
der Tuch- und Seideapplikation ragten die
vornehmen Arbeiten von Rudolf und Fia
Wille in Berlin und von Fritz Rentsch
R. GENZ, MAGDEBURG « ENTWURF FÜR EIN
in Leipzig hervor. Eine kleine Separatausstellung
bildeten die zahlreichen feinstilisierten
Entwürfe für Buchschmuck, Tapeten,
Stoffe u. a. des Ateliers von Erich Klein-
hempel in Dresden und mehreren seiner
Schülerinnen, wie Frl. von Bock und Hilde
Niemeyer, deren reizvolle Tischdecke wir
auf Seite 398 abbilden. Die Privatschule von
Schultze-Naumburg in Saaleck bot Baumund
andere Pflanzenstudien, die unendlich
sorgfältig durchgeführt waren und dadurch
wieder etwas altertümlich
wirkten.
Die Ausstellung gab
auch zum erstenmal ein
klares Bild von den Erfolgen
staatlicher und
städtischer Kunst- und
Gewerbeschulen, die den
neuzeitlichen Kunstforderungen
entsprechend
das Studium der Pflanze
für die dekorative Verwertung
als eine Hauptaufgabe
in ihren Lehrplan
aufgenommen und
hierfür zum Teil junge,
bewährte Künstlerkräfte
gewonnen haben. Allseitige
und lebhafte Anerkennung
in den beteiligten
Kreisen fand die
Dresdener Kunstgewerbeschule
für ihre reiche
Ausstellung, die von eifrig
und geschmackvoll betriebenen
Studien Zeugnis
gab und in der Skulpturenabteilung
unter Leitung
des Professor Karl
Gross Leistungen aufwies
, von denen man in
Zukunft noch viel hören
wird. Er hat in seinen eigenen Arbeiten,
z. B. den plastischen Werken für die Dresdener
Kreuzkirche (Abb. Bd. VII, S. 149), und
in den ausgestellten, unter seiner Leitung
gefertigten Schülerarbeiten den Weg gewiesen
, wie aus Pflanzenbildungen, besonders
Moosen, die reizvollsten Motive für dekorative
Reliefs und aus Früchten und Knospen
die Grundelemente für architektonische Zierglieder
zu gewinnen sind.
Ein frisches, hoffnungsvolles Streben offenbarte
sich auch in der reichhaltigen Kollektion
der Magdeburger Kunstgewerbe- und Handwerkerschule
, wo so vortreffliche Lehrkräfte
wie Paul Bürck, Albin Müller und Hans
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