Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 399
(PDF, 122 MB)
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-sr^> DIE PFLANZE IN IHRER DEKORATIVEN VERWERTUNG <^-**

MARGARETE PFAFF, CHEMNITZ « LEINEN-
DECKCHEN MIT KREUZSTICH-STICKEREI

lassen. Vorsichtiger muß der Künstler schon
bei Tieren sein, und die menschliche Gestalt
gar verträgt das Stilisieren nur in sehr beschränktem
Maße. Man kann so unterscheiden
: je höher ein Organismus rangiert,
je mehr er Individualität ist, desto weniger
verträgt er die Systematisierung durch die
Kunst. Da alles Lebendige vom Künstler ja
nur benutzt wird, um ein Glied seiner Kunstsprache
zu werden, so sträuben sich naturgemäß
die Teile am heftigsten gegen solche
Dienstbarkeit, die am meisten Eigenleben
haben. Dieselbe Konvention, die weitgehende
Stilisierungen der Pflanzen erlaubt, ja fordert,
will von einer schematisierenden Behandlung
der menschlichen Gestalt nichts wissen. Die
Scheu vor diesem am besten verstandenen
Wunderwerke der Schöpfung ist zu groß, um
die Vereinfachungen und Brutalisierungen
der Kunst (und es sind Brutalisierungen, die
höher gearteten Wesen furchtbar plump erscheinen
müßten) zuzulassen. Was ferner
liegt, beispielsweise Gesichter asiatischer
Völker, in denen der Europäer vor den Rassenmerkmalen
nicht leicht die individuell scheidenden
Züge bemerkt, verträgt schon deutlichere
Stilisierung. Die leblosen Teile des
Körpers, wie die Haare, sind in gewissen
Fällen sehr wohl geeignet, in strengerer Form
behandelt zu werden und die Kleidung fordert
den Stil sogar. Die „Komposition"
mittels menschlicher Gestalten besteht darin,

die dem Künstler wichtigen psychischen
und dynamischen Aktionen des
Körpers aus ihren Assoziationen herauszuschälen
; die Vereinfachung des Poeten
geht hier Hand in Hand mit der
des Malers oder Bildhauers, und die
unter dem Zwange einer eindeutigen
Empfindung entstehende Körperhaltung
erscheint in ihrer bewußten artistischen
Uebertreibung dann ornamental, ohne
daß das individuelle Eigenleben aufgeopfert
zu werden braucht.

#

In der modernen Landschaftkunst
treten die Ansprüche der Erkenntnis
und Anschauung in besonders lebhafte
Wechselwirkung. Es handelt sich bei
allen die Natur stilisierenden Arbeitsweisen
nicht um Veränderungen, sondern
um ein Auswählen einzelner Züge
nach Maßgabe der individuellen oder

OTTO UND HANNA UBBELOHDE, GOSSFELDEN
FLACHSTICHSTICKEREI AUF LEINEN « « « « «

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