Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 400
(PDF, 122 MB)
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-s^> ENTWÜRFE FÜR VORSATZPAPIERE <ös^

FRAU KÄTHE ROMAN - FOERSTERLING, KARLSRUHE

nationalen Empfänglichkeitsgrenzen. Jede Landschaft
läßt sich von hundert Seiten begreifen
und darstellen; der Maler kann aber für ganz
bestimmte, vorgefaßte Mitteilungszwecke jedesmal
nur eine Seite davon brauchen. Trifft er
seine Wahl mit weiser Logik, so entsteht aus
der Beschränkung, die auf der menschlichen
Beschränktheit, ein Ganzes
der Natur synthetisch zu behandeln
— was nur Gott kann
— beruht, der Stil. Die Impressionisten
malen so wenig
„naturalistisch", wie die Gotiker
es taten. Sie stilisieren
sehr bestimmt; nur jetzt einmal
nicht mittels der Linie,
sondern mittels der Farbe.
Befremdlich auf die Laiengemeinde
wirkt diese Art, weil
die Organe für Linienreize
viel williger und ausgebildeter
sind, als die für Farbenreize
, es entsteht ein Kampf zwischen traditioneller
Linienkonvention und noch nicht
perfekter Farbenkonvention. Der Impressionismus
ist jedoch, weil er einer sich durch
kritischen Nihilismus durchringenden Weltidee
entspringt, eine Kunst gewordene Notwendigkeit
.

Der unpersönliche Dilettant — er heißt
im neunzehnten Jahrhundert oft Berufskünstler
sieht die Natur in seiner Art
als ein Ganzes; aber er tut es automatisch
wie ein photographischer Apparat. Wie ein
solcher versucht er alles zugleich abzuschildern
mit dem Erfolg, daß alles Objekt
bleibt, nichts zum Ausdrucksmittel einer individuell
gefärbten Erkenntnis wird und nur
etwas mechanisch Gesehenes zur Darstellung
kommt. Seine Art wirkt auf alle, die ebenfalls
nicht durch ein Temperament artistisch
einseitig, sondern rein mechanisch
anschauen. So entsteht eine Konvention
auch zwischen den geistig Armen, die für

FRAU KÄTHE ROMAN-FOERSTERLING

sie denselben Wert hat, wie die künstlerische
für höhere Menschen.

Die Konventionen erstrecken sich bis auf
die Technik. Zu Zeiten ist der Pinselstrich
akademisch geregelt. Die Strichlagen in den
graphischen Künsten beruhen auf einer Darstellungsart
, wie sie sich aus der Begegnung
von Material und Werkzeug ergeben hat; das
Gefühl hat sich jedoch dieser ornamentalen
Weise so sehr angepaßt, daß eine Technik,
die mit anderen Mitteln dieselben Wirkungen
erreichen würde, auf Widerspruch
stieße. Mancher Künstler mit eigenartiger
Manier, z. B. Menzel, hat erfahren, wie
schwer es ist, Gewohnheiten dieser Art zu
überwinden. Eben jetzt streitet man über
die Kombinationsdrucke. Man fürchtet, nicht
ohne Recht, daß der jeder Technik, jedem
Material eigene Ausdrucksgehalt
in Kombinationen verloren
gehe und sich selbst
widerspreche. Wenn es jedoch
einem starken Talente
gelingen sollte, auf diesem
Wege neue Werte von überzeugender
Eigenart zu schaffen
, so steht der Vereinigung
mehrerer Techniken natürlich
kein Einwand entgegen.

Auf solche Details legt das
Kunstempfinden großen Wert.
Meist ist die technische Darstellungsform
auch so eng verquickt
mit der Notwendigkeit, die Idee klar zu
machen, daß Konzeption, Material und Technik
befruchtend ineinander verwachsen. (Schluß folgt)

LESEFRÜCHTE:

»Nur die Werke, einerlei aus welchem Gebiet,
deren sämtliche Teile im Einklang stehen, rufen den
Eindruck hervor, daß sie unabänderlich sind.<t

Henry van de Velde

FRAU KÄTHE ROMAN-FOERSTERLING, KARLSRUHE

Für die Redaktion verantwortlich: H. BRUCKMANN, München.
Verlagsanstalt F. Bruckmann A.-G. München, Nymphenburgerstr. 86. — Druck von Alphons Bruckmann, München.


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