Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 408
(PDF, 122 MB)
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^=4^> H. P. BERLAGE <^=^

ZYL « RELIEF ÜBER DEM SEITENPORTAL DER NEUEN AMSTERDAMER BÖRSE « VERS VON ALBRECHT VERWEG

Labouchere" zu Delft in sogenannten Sektil-
Platten ausgeführt, ist gut in der Materialwirkung
, weniger glücklich in der Farbe. Mit
dem Backstein will es nicht recht zusammen
klingen. Jedoch das sind Düfteleien. Die
Silhouette des Turmes spricht und bildet dominierend
den Gipfelpunkt, hebt die Wirkung
des ganzen Baues. Und das ist schließlich
doch, mit dem Tragen der Glocke, der Hauptzweck
dieses Bauteils, dessen wir zur Verteidigung
ja nicht mehr bedürfen. Im Turm
ist der fortwährend arbeitende Personenaufzug
untergebracht.

Schroff neben dem flachen Dach, das die
erwähnten Nebenräume der Handelskammer
deckt, aufsteigend, würde der somit im rechten
Winkel angeschlossene Turm die Frontlinie
unschön zerreißen, wenn nicht die lange
Schräge des hochragenden Giebels der Warenbörse
optisch den Uebergang herstellte. So
gibt diese Fassade — namentlich vom Trottoir
des Damrak aus gesehen, von welcher Stelle
sie naturgemäß am meisten betrachtet wird,
ein befriedigendes Bild, das sich nach der
Seite des rechten Treppenturms hin allmählich
und mit regelmäßigen Ruhepunkten für
das Auge abschrägt.

Schwierig war, wie angedeutet, die Lösung
der ausgedehnten Seitenwand am Damrak.
In die 140 m lange Mauerfläche konnten, dem
innern System nach, nur das dreigliedrige
Seitenportal (Abb. S. 403) mit den flachgedeckten
Ventilationstürmen — deren ovale
Schlünde ihren Zweck verkünden und
ferner die Rundbogenfenster des Restaurationssaales
einige Abwechslung bringen. Die
niedrigen Treppentürme und der Eckturm mit
seinem Pyramidendach hätten die lange Linie
des Hauptgesimses nur zu plötzlich und unvermittelt
durchbrochen, und so kam Berlage
denn wohl zu jener eigentümlichen Lösung,
die wir jetzt sehen. Er zerlegte die Wand
gleichsam in eine Reihe schmaler Häuserfronten
, indem er die Fenster paarweise durch
deutlich herausgearbeitete Zinkrinnen trennte
und die dadurch entstandenen Abschnitte oben
durch eine giebelförmige Ummauerung des
kleinen Dachfensters krönte. Dadurch gerät
die Giebellinie allerdings in Fluß; der Einwand
gegen die unnötigen und verhältnislosen
Mauerstücke um die winzigen Dachfenster
ist aber vielleicht nicht unberechtigt. Oede
aber ist die lange Wand so jedenfalls nicht
mehr. In der Verkürzung, und anders kann
man sie von der Straße aus überhaupt nicht
sehen, wirkt sie, mit den zahlreichen Fensterstürzen
aus hellem Haustein, sogar heiter
und leicht.

Das Seitenportal ist mit dem direkt ins
Innere führenden Zugang und den beiden famos
eingepaßten Seitentreppen, dem schmalen
Relief und der hübschen Fenstergruppierung
zu einem ganz vorzüglichen Mittelstück gestaltet
(Abb. S. 403). Das höher ansetzende

408


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