Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 8. Band.1903
Seite: 422
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SÄCHSISCHE KUNSTAUSSTELLUNG DRESDEN 1903

DIE ARCHITEKTUR DER SÄLE

Nicht in dem Städtischen Ausstellungspalast,
wie sie es sonst gewohnt war, durfte sich
diesmal die Dresdner Kunstschau einrichten.
Es war ein Wagnis, die öden und schwerfälligen
Räume zu übernehmen, mit denen
Lipsius, im Anschluß an die Akademie, die
Brühische Terrasse erdrückt hat, wo in
Friedenszeiten der Kunstverein sein müdes
Dasein fristet. Aber die Kunstgenossenschaft
griff beherzt zu, sandte ihre besten Kräfte
ins Treffen und brachte es fertig, daß heute
männiglich die Ausstattung der Räume als
eine, den Leistungen früherer Jahre in Dresden
völlig gleichwertige preist, ja in Ansehung

JULIUS GRÄBNER « « AUSSTELLUNGSRAUM DER
SÄCHSISCHEN KUNSTAUSSTELLUNG DRESDEN 1903

des höchst unglücklichen Vorhandenen für
nahezu unübertrefflich halten muß.

Dem Portal, unter der säulengetragenen
Vorhalle, hat Otto Gussmann ein neues
Gewand aus Blau, Grün und Gold geschaffen,
das wie ein Edelstein aus dem Sandsteingrau
der Nischen und Pilaster herausleuchtet. Das
überhohe Vestibül bildete Julius Gräbner
als Saal der Plastik aus. Die Formen sind
die ruhigsten der Welt: aus dem Viereck, das
sich in mächtigen Bogen nach beiden Seiten,
links über einer erhöhten Terrasse, öffnet,
entwickelt sich, durch eine Eckkonsole, das
Achteck, dem ein Kranz geschnitzter Balkenköpfe
unter dem
glatten Velum den Abschluß
gibt. In der
Oberfläche des gelben
Stuckes, der das Material
hergibt, treiben
die zartesten Riffelungen
und Kreise
ihr Spiel: ein Hauch
von Gold verleiht den
so belebten Flächen
Glanz und Wärme, in
denen der grüne Bronzeton
der wenigen Gesimse
die Straffheit
der Gliederung noch
deutlicher heraushebt.
In die gewaltige Schale
der Mitte sprüht aus
vier Pfeilermäulern
das Wasser. Ueber
dem Eingang zum Innern
hält das starre
Haupt der Meduse,
neben ihm, in antiker
Unnahbarkeit,
das Paar der Volk-
mann'schen Hellenen
mit Stier und Roß
ernste Wacht (Abb.
S. 422 u. S. 423.)

Aus der formenstrengen
Kühle des
Vestibüls geht es
hinein in die majestätische
Farbenpracht
des großen Hauptsaales
. Die langweiligen
Karyatiden
sind verschwunden;

422


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