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das Niveau der Seitenräume ist erhöht, und
hinter den drei weitgespannten lichten Bogen,
die sich von Pfeiler zu Pfeiler schwingen,
öffnen sich mattblau getönte Einzelkojen. Auf
dem satten Pompejanisch-Rot der Hauptwände
bezeichnen schmale, ornamentale Goldbänder
die Teilfelder; die Flächen unter dem Velum
beleben verschlungene riesige Lorbeerkränze.
Der Fußboden ist orangefarben: vielleicht als
Gesamtton eine Nuance zu laut, - - man hätte
ein kräftiges Blau versuchen können. Doch
entspricht der farbige Zusammenklang dieser
Raumschöpfung der Würde und Bedeutung
des vornehmsten Saales in hohem Grade.
Julius Gräbner hat auch hier wieder sein
Gefühl für die Schönheit der Verhältnisse
glänzend bekundet.
Es schließt sich der Fünfecksaal an, dem
Fritz Reuter mit den bescheidensten Mitteln
den Charakter einer gehaltvollen und den
Kunstwerken selbst ungemein günstigen
farbigen Noblesse verliehen hat. Links führen
drei Stufen zu dem Kabinett für Kunstgewerbe
(Abb. s. oben), wo sich Erich Kleinhempel
jenem Architekten zugesellt hat. Ein pfauenblauer
Webstoff (Abb. S. 433) überspannt die
weißen Wände, ein Kamin (Abb. S. 433), ein
paar Schränke mit Bronzen, silbernen Geräten
und Schmuck gefüllt und dergleichen
machen die Stimmung intim und anregend.
In dem Kuppelsaal hat Max Hans Kühne
getan was irgend zu tun war: hat den vergoldeten
Gips-Baldachin zu einem tempelartigen
Pfeilerhalbrund umgewandelt, durch
einen schlichten Fries die bedrückend hohen
Seiten des Achtecks zu harmonischeren
Dimensionen veredelt, und mit dem roten
Bodenbelag Licht und Wärme in die berüchtigte
Dämmerhalle gezaubert. Demselben
Künstler verdankt auch die Ludwig-Richter-
Abteilung ihre zierlichen Räume, über denen
die sinnende Heiterkeit des Alten von Loschwitz
wie ein silberner Schleier zu ruhen scheint.
Und nun sollte dieser ganze Reichtum
festlicher und stolzer, anmutiger und behaglicher
Räume im Herbst schon wieder dem
dumpfen Grau des durch „die Tradition Geweihten
" weichen? Die Kunststadt Dresden
überlege sich beizeiten, was sie sich mit
solchem Vorgehen, für immer rauben würde,
und St. Bürokratius habe, diesmal wenigstens5
ein Einsehen! e. h.
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