Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 10. Band.1904
Seite: 391
(PDF, 131 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_10_1904/0419
-e-4sö> WIE STEHT ES UM MÜNCHEN? <^^-

Einseitigkeit solcher Unternehmungen
längst schon aufgegeben
. In einem Gebäude, wie
es sich für führende Kunststädte
geziemt, kommen alle Fragen,
die hier einschlägig sind, ausstellungsweise
zur allgemeinen
Kenntnis. Es sei nur an die
eine ganz hervorragende Veranstaltung
erinnert, bei welcher
die hochwichtige Frage des
„Städtebaues" den Angelpunkt
der riesigen Unternehmung bildete
. Das sind Dinge, deren
Austragung ganz andere Kräfte
erforderte, als sie bei einer
Bilderausstellung, und wäre sie
noch so vortrefflich, in Frage
kommen. Und liest man das
Programm der für 1906 in Aussicht
genommenen Ausstellung,
die unter Benützung des leider
unbenützt gebliebenen Münchener Programms
pro 1904 in Scene gehen soll, so kann man sich
des Eindruckes nichtentschlagen, daß hier weitsichtiges
Denken eine Sache von allerhöchster
Bedeutung ins Leben zu rufen sich anschickt,
wobei „das Kunstwerk in seiner Beziehung
zum täglichen Leben" mitzusprechen
haben, nicht aber kaserniert sein
wird. Das Entgegenkommen aller Staats- und
städtischen Behörden, sowie die kräftige materielle
Unterstützung solcher Unternehmungen
spielt in Dresden jene Rolle, die
den Erfolg sicherstellt. Man ist sich eben
klar bewußt, was man zu gewinnen hat,
Städten gegenüber, in denen das Verständnis
für die Wichtigkeit solcher Dinge, die ja
schließlich auch für die materielle
Entwicklung eines Gemeinwesens von
ausschlaggeb ender Bedeutung sind,nicht
in dem Maße entwickelt erscheint, als man
annehmen dürfte. Von Städten wie Magdeburg
, Breslau, Leipzig u. a., wo ebenfalls überall
starke Ansätze zu einem lokalen Aufschwünge
künstlerischer Art vorhanden sind, sei hier
nicht weiter die Rede.

In ganz hervorragender Weise hat Düsseldorf
, dessen Ruhm als Malerstadt stark im
Erbleichen war, eingesetzt. Es hat wohl die
Malerei herangezogen zu den mit kolossalem
Geschicke inscenierten großen Ausstellungen,
aber sie spricht nicht das entscheidende Wort
allein. Waren es im Jahre 1902 die Bilder
der rheinischen Großindustrie, die einen Blick
tun ließen in das Leben dieses reichen
Landes, während eine retrospektive Ausstellung
einen Begriff von der reichen alten

KAMIN IM WOHNZIMMER DES LANDHAUSES CHARLES R. LAMB, NEW JERSEY

Kultur des Landes gab, wozu im weiteren
die moderne Raumkunst trat, so spielt
diesmal die Gartenbaukunst eine Rolle, wie
sie noch bei keiner ähnlichen Gelegenheit
gesehen wurde. Die Eindrücke werden von
Hunderttausenden mit weggetragen und sind
sicherlich nicht geringwertiger anzuschlagen
als die Wirkungen der gleichzeitig stattfindenden
Kunstausstellung. Auch hier rasches,
mächtiges Emporblühen, gegründet auf der
Erkenntnis, daß ohne eigene Kraftentwicklung
nichts gewonnen wird.

Es liegt nahe, auch anderer rheinischer
Städte zu gedenken, die seit wenigen Jahren mit
eingetreten sind in die Entwicklung höherer
Ziele. Vor allem ist Krefeld zu nennen,
dessen „Kaiser Wilhelm-Museum" in seinem
Leiter, Dr. Deneken, einen Mann besitzt,
der überall darauf hinarbeitet, Anregung zu
schaffen, und dabei das Selbständigkeitsbewußtsein
durch Steigerung der eigenen
Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Was da im
Laufe weniger Jahre geleistet worden ist,
grenzt ans Unglaubliche. Freilich tritt dabei
immerfort die Frage: „Welchen Notwendigkeiten
hat unsere Zeit ihr Augenmerk zu
widmen", in den Vordergrund, wie es überall
sein wird, wo man klaren Kopfes die Verhältnisse
beurteilt. In Solingen geht man
daran, alle ehemals gebräuchlichen Metall-
Dekorationsverfahren wieder ins Leben zu
rufen, nachdem die rein industrielle Arbeit
in ihrer Unzulänglichkeit besonders ausländischen
Produkten gegenüber erkannt worden
ist, und in Elberfeld scheint unter der klaren
Führung eines tüchtigen Mannes wie Direktor

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