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F. A. VON KAULBACH
STUDIE
FRITZ AUGUST VON KAULBACH
Von Fritz v. Ostini
Ueber das, was die Kunst, was der Künstler
„soll", ist noch nie so viel geschwatzt
worden, wie heute, und sonderbarerweise am
lautesten und unduldsamsten von jenen,
welche die künstlerische Freiheit als drittes
Wort im Munde führen. Und doch gibt es
in Wahrheit eine einzige Forderung, die immer
und ewig Geltung behält dem Künstler gegenüber
: er soll sich selber treu sein! Was er
dann schafft und in welcher Richtung er seine
Ziele sucht, das ist Nebensache, wenn wir
seine Persönlichkeit werten. Ob ihm die
großen Alten als unübertreffliche Vorbilder
leuchten, ob er in der nervösen Eindrucksmalerei
der Franzosen sein Heil sucht, oder
im Farbenrausch und der geheimnisvollen
Phantastik Meister Arnolds, ob er stilisierend
die Formen vereinfacht oder mit getreuem
Realismus allen Launen der Wirklichkeit nachspürt
— jede Kunst ist die rechte, wenn sie
nur immer ein unverfälschtes Spiegelbild von
des Schaffenden Schauen und Wollen gibt.
Und es hat immer einen eigenartig erhebenden
Reiz, die Entwicklung eines bedeutenden
Künstlers zu verfolgen, wenn sie in diesem
Sinne unter dem Zeichen innerer Harmonie
verläuft. Fritz August von Kaulbach ist
ein solcher. Klarheit und vornehme Ruhe
sind die Eigenschaften, die seinem Wesen
und Werk die Signatur geben. Der Zusammen-
Die Kunst für Alle XX. i. i. Oktober 1904.
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